Frau aus Porta Westfalica fühlt sich von Haustürhändler übers Ohr gehauen / Billigware
Es war am Mittwoch vergangener Woche, als sie unangekündigten Besuch von einem Händler bekommen habe, berichtet S. dem MT. Der habe seinen Kofferraum voll mit Motorsägen gehabt, vermeintlich von einer namhaften Marke.
Billigware: Nur die Farben des Gehäuses ähneln der Marken-Säge. | Foto: Sven Kienscherf
"Der Händler hat damit geworben, dass die Sägen von einer Messe übrig geblieben sind. Er müsse aufgrund eines Notfalls schnell nach Irland zurück, deshalb seien die Sägen jetzt billig zu haben", sagt S. "Der Mann hat Englisch und ein bisschen Deutsch gesprochen." Nach einem kurzen Handel sei man sich einig geworden: Statt der zunächst verlangten 450 Euro pro Stück habe sie für sieben Geräte zusammen 1300 Euro gezahlt. Sechs Sägen waren für die Kollegen ihres Mannes bestimmt.
Beim Auspacken stellte sie fest, dass sich in den Koffern statt der Markensägen nur Ramschware befand. Am selben Mittwoch schaute der mobile Verkäufer später auch bei Peter C. (Name geändert) in Eisbergen vorbei. "Der Mann erzählte mir, er habe Motorsägen auf einer Motorshow in Minden verkauft. Die Reste wolle er nicht mit zurücknehmen, wegen der Zollgebühren." Dabei habe der Verkäufer den Eindruck erweckt, es handele sich um Premium-Sägen. Zuletzt sei er bis auf 100 Euro pro Gerät runtergegangen. C. lehnte dankend ab.
Von solchen Geschichten kann Günther Stoll ziemlich viele erzählen. Er jagt für einen Hersteller von Motorsägen Produktpiraten. "Die Täter fahren vorwiegend durch ländliche Gebiete und erwecken den Anschein, unsere Produkte oder gleichwertige Plagiate zu Niedrigpreisen anbieten zu können." Was die Käufer nachher in Händen hielten, seien zweifelhafte Maschinen, hergestellt in Fernost. Stoll: "Einzig die Farbgebung der Sägen gleicht dem Original."
Rechtlich nicht unbedingt Betrug
Auch wenn die Käufer subjektiv das Gefühl haben, sie seien übers Ohr gehauen worden: Das zu beweisen ist schwierig.
"Es ist fraglich, ob es im Fall von Frau C. nach dem Gesetz ein Betrug war", sagt Ralf Steinmeyer von der Polizei Minden-Lübbecke. "Auf den Sägen haben sich keine falschen Markenlabels gefunden." Der Händler sei der Polizei bekannt, so Steinmeyer. "Er zählt zu den irischen Landfahrern und ist nicht nur in Minden unterwegs."
Nicht nur an der Haustür gilt es, bei Spezialangeboten skeptisch zu sein. Auf Parkplätzen spielen die Tricksereien, von denen Falco Schleier vom Landeskriminalamt Niedersachsen zu berichten weiß: "Dort werden Spaziergängern aus einem Auto heraus Elektrogeräte zu Superpreisen angeboten." Spätestens zu Hause merkt der Käufer in der Regel: Der Kram ist sein Geld nicht wert.
Um nicht übervorteilt zu werden, rät Polizist Steinmeyer: "Finger weg von dubiosen Geschäften an der Haustür und anderswo."
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