Deutsches Rotes Kreuz bietet Notfall-Simulations-Seminar für medizinische Teams an
Markus Tönnies vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist einer von zwei ausgebildeten Simulationstrainern im Kreisverband Minden-Lübbecke. Er schult Mediziner-Teams im sogenannten "Team-Ressource-Management". Dabei werden mithilfe von Simulationspuppe "Anne" Notfall-Situationen geschaffen und Anregungen für bessere Hilfeleistungen gegeben. "Das Training findet in der Praxis des jeweiligen Teams statt. So läuft alles unter realistischen Bedingungen ab", klärt Markus Tönnies auf.
Im Mittelpunkt der gestellten Notfall-Situationen steht Puppe "Anne". Sie kann nicht nur Puls, allergische Reaktionen oder Herzstillstände simulieren. Es ist zum Beispiel auch möglich ihr Medikamente zu spritzen. "Die Puppe wird auf die Situationen programmiert, die sich das Praxisteam wünscht oder vor den sie Angst haben", weiß der Simulationstrainer. Durch ein Funksprechgerät kann der Simulationstrainer "Anne" sogar zum Sprechen bringen. Um die Puppe steuern zu können, musste Tönnies einen zweitägigen Kurs besuchen. Seit September 2009 besucht er mit seinem Kollegen Arztpraxen, die sich bei dem Seminar weiterbilden lassen möchten.
"Anne" hat einen stolzen Preis: Rund 10 000 kostet die Puppe, die auf Knopfdruck eine ganze Palette an Krankheiten simulieren kann. "Wir brauchten für unsere Katastrophenhelfer eine neue Übungspuppe. Aber diese Puppen sind sehr teuer. Um das neue Modell finanzieren zu können, bieten wir diese Seminare an", berichtet Tönnies. Pro Seminar bezahlt die jeweilige Praxis 500 Euro. Da schon einige Praxen im Kreis dieses Angebot wahrgenommen haben, rechnet der Simulationstrainer damit, dass sich der Kauf der Puppe bald für den DRK-Kreisverband rechnet. Studien zu Fehlern in der Behandlung von Notfallpatienten ergaben, dass selten fehlendes Fachwissen oder mangelnde Fertigkeiten zu Fehlern führen. Vielmehr seien es oft "menschliche" Faktoren, wie zum Beispiel mangelnde Kommunikation oder nicht optimale Zusammenarbeit.
Wiederbelebung in der eigenen Arztpraxis
Daraufhin wurde das neue Seminarkonzept zum "Team-Ressource-Management" ins Leben gerufen. "Soviel ich weiß, sind wir hier die Einzigen im weiteren Umkreis, die ein solches Seminar anbieten. Das Konzept haben wir selbst erarbeitet", sagt der DRK-Mitarbeiter.
Auch die Zahnarzt-Praxis von Wolf-Christian Hampe und Christiane Hohmeier hat sich zu dieser Art der Weiterbildung entschlossen. Mitten in einer Behandlung drückt Markus Tönnies dann auf seine Fernbedienung. Patientin "Anne" wird plötzlich bewusstlos, erleidet einen Herzinfarkt. Die Ärzte und ihr siebenköpfiges Team starten sofort mit der Wiederbelebung. Rund fünf Minuten später ist "Anne" wieder bei Bewusstsein. Es folgt eine Nachbesprechung, in der das Verhalten der Beteiligten bewertet wird.
"Das ist der Punkt, der in den herkömmlichen Erste-Hilfe-Kursen noch gefehlt hat. Es ist unglaublich hilfreich, dass die Puppe uns eine Rückmeldung bei der Behandlung gibt", sagt Zahnarzt Wolf-Christian Hampe begeistert. "Wir fühlen uns jetzt viel besser vorbereitet. So ein Training hilft nicht nur uns, sondern auch unseren Patienten."
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