Projekt "Literatur in Bewegung" geht auf spezielle Wünsche ein / Wissenschaftliche Untersuchungen zum Leseverhalten
Mit 30.000 Euro vom Land Nordrhein-Westfalen wurde das Projekt 2009 bezuschusst und von den Kommunen Bünde, Detmold, Espelkamp, Herford, Hiddenhausen, Kirchlengern, Lemgo, Minden und Porta-Westfalica jeweils gegenfinanziert. Die Bibliotheken entwickelten, schon im zweiten Jahr in Folge, Strategien zur Leseförderung speziell für Jungen.
Das Projekt startete im Sommer mit dem Medienankauf und fand seinen Höhepunkt in den Veranstaltungen im Herbst.
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Jungen anders lesen als Mädchen. Sie suchen beim Lesen entspannte Unterhaltung. Die beteiligten Stadt- und Gemeindebüchereien ergänzten ihr Ausleihangebot um insgesamt 1428 Medien.
Gekauft wurden neben "typischem Lesefutter" aus den Genres Krimi, Fantasy oder Abenteurer auch Sachbücher und Hörbücher, DVDs, PC-Spiele, um den Mediennutzungsgewohnheiten von Jungen entgegen zu kommen.
Der Schwerpunkt des Projektes lag auf "Männerarbeit": Autoren, Literaturgestalter und Schauspieler lasen ausschließlich für Jungen. Untersuchungen belegen, dass Jungen Identifikation suchen und deshalb der lesende Mann zum Lesen motiviert. Die Lesungen wurden in Kooperation mit den Schulen vor Ort durchgeführt.
Rekordverdächtige 3484 Jungen hörten zu und machten mit. Auch 199 Erwachsene, Lehrkräfte und Väter wurden erreicht. Überwiegend waren es szenische Lesungen, die Zuhörer wurden aktiv einbezogen. Sie waren spürbar begeistert und die Bibliotheksbesuche nahmen zu.
Lesungen nur für Jungen von "Mann zu Mann" sind anders - es entwickeln sich andere Autorengespräche, zum Beispiel über Autos oder Fußballvereine. Höhepunkte gab es mit Lesungen bekannter Autoren wie Stephen M. Rother, Ulli Schubert und Derek Meister.
Als Fabian Lenk, der mit zwei Millionen verkauften Exemplaren seiner 75 Bücher zu den erfolgreichen Autoren gehört, seine Lesung hielt, herrschte 40 Minuten lang absolute Stille. "Eine stramme Leistung", lobte der Autor sein Publikum. Nur Dominiks Frage "Wie geht es weiter?", wollte er nicht beantworten. Statt dessen merkte er an: "Immer wenn es am spannendsten ist, muss ein Autor mit seiner Lesung aufhören."
Zuhörer stellen neue Fragen
Auch die Jungen einer Brennpunktschule in Minden, die eigentlich eher leseschwache Kinder besuchen, lobte er sehr, denn sie waren disziplinierte Zuhörer und stellten interessante neue Fragen.
Genau diese Neugier auf den Schluss des Buches und die Lust am Weiterlesen stellten die Bibliotheken bei vielen Jungen fest. Schließlich waren die vorgestellten Bücher in den folgenden Wochen die Ausleihrenner in den Büchereien.
Und als Erfolg des Projektes werten die teilnehmenden Bibliotheken es, wenn die Jungen bei der Ausleihe mit leuchtenden Augen erzählten: "Der Autor war nämlich bei uns in der Schule und hat aus seinen Büchern erzählt. Jetzt will ich alles von ihm lesen!"
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