Im Mai vergangenen Jahres hat Grube den Job an der Spitze der 250 000 Bahn-Mitarbeiter von Hartmut Mehdorn übernommen - diverse Krisen inklusive. Neben den globalen Verwerfungen im Wirtschafts- und Finanzsektor kämpft Grube gegen sinkendes Vertrauen und technische Mängel. Nicht zuletzt sieht der gebürtige Hamburger das Transportgewerbe vor tief greifenden strukturellen Veränderungen.
Das schwierige Umfeld schreckt den Bahnchef jedoch nicht ab - und Grubes Kampfgeist steckt an. "Wir müssen unser Brot-und-Butter-Geschäft in Ordnung bringen", nennt er die Voraussetzung für das langfristige Ziel, weltweit führendes Transportunternehmen zu werden.
Die Bahn scheint auf dem richtigen Gleis zu stehen: Als einziges Eisenbahnunternehmen habe die Deutsche Bahn das Krisenjahr 2009 mit einem deutlich positiven Ergebnis von weit mehr als einer Milliarde Euro abgeschlossen, ließ Grube im Rahmen des 37. Mühlenkreisgesprächs der Konrad-Adenauer-Stiftung durchblicken. Genaue Zahlen legt die Bahn Ende März vor.
Dabei muss sich der Staatskonzern insgesamt 320 Wettbewerbern stellen. Die europäischen Marktbedingungen sind ein wunder Punkt des Bahnchefs. Nicht die Konkurrenz treibt dem 58 Jahre alten Top-Manager die Zornesröte ins Gesicht, sondern die ungleichen Bedingungen. Während französische und englische Großkonzerne als vermeintliche Mittelständler getarnt den deutschen Markt aufmischten, dürfe die Deutsche Bahn nicht einmal bis Paris fahren. Eine Testfahrt nach Rom endete in Rimini - "eine große Schweinerei", wettert Grube.
Wettbewerbsnachteile abzubauen steht daher ebenso auf Grubes Zukunfts-Plan wie eine weitere Konsolidierung der rund 800 Einzelunternehmen im Konzern und ein Abbau der Schulden von derzeit 15,9 Milliarden Euro auf etwa zehn Milliarden - so hoch ist das Eigenkapital. Der Börsengang steht derweil so lange nicht zur Debatte, wie der Unternehmenswert von 42 Milliarden Euro nicht erlöst werden kann, stellt Grube klar.
Eine Aufspaltung in Logistikunternehmen und Netzbetreiber lehnt Grube klar ab. Seine Argumente sind mathematisch simpel: 40 000 Züge täglich auf 65 000 Gleis-Kilometern sowie jeden Tag allein im Personenverkehr 7,3 Millionen Fahrgäste. "Wir haben das kompakteste und am dichtesten befahrene Gleisnetz der Welt", sagt Grube. Eine Aufspaltung des Konzerns würde laut Grube dazu führen, dass beide Sparten nicht mehr koordiniert arbeiten könnten. "Davor warne ich".
Höchste Priorität auf Grubes Agenda hat allen betrieblichen Baustellen zum Trotz der Kunde - denn die Bahn soll endlich wieder ein sympathisches Image bekommen. Und der Chef geht mit gutem Beispiel voran. "Ich rufe sie morgen an", versprach Grube einer Zuhörerin, die sich über plumpe Werbung beschwerte.
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