Nachdem der neue Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesfinanzminister bereits am 10. November zum ersten Mal auf der Regierungsbank gesessen hatte, nahm der 46-Jährige gestern erstmals auch an einer Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt teil. Wie schon im November im Parlament vertrat Kampeter auch diesmal Finanzminister Wolfgang Schäuble, der zur gleichen Zeit an einer Tagung der EU-Finanzminister in Brüssel teilnahm.
Im Anschluss an ein rund einstündiges vorbereitendes Arbeitsfrühstück, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel die Kabinettsmitglieder von CDU und CSU eingeladen hatte, meisterte Kampeter seinen ersten Auftritt im Kreis der 16-köpfigen Regierungsmannschaft im großen Kabinettssaal mit der ihm eigenen Unbefangenheit. Vor Beginn der offiziellen Beratungen um 9.30 Uhr nutzte er die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, begrüßte anschließend seine Kabinettskollegen, gratulierte der neuen Familienministerin zu ihrer Ernennung und nahm anschließend hinter einer prall gefüllten ledernen roten Aktenmappe Platz am ovalen Kabinettstisch - Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zu seiner Linken, Innenminister Thomas de Maizière zu seiner Rechten und direkt vis-à-vis der Regierungschefin.
"Ein großer Tag und ein besonderes Erlebnis"
"Dies war für mich ein großer Tag und ein besonderes Erlebnis zugleich. Ich bin schon ein bisschen stolz, am Kabinettstisch gesessen zu haben und damit zum inneren Führungszirkel der Bundesregierung zu gehören," schildert Kampeter seine Eindrücke. "Der Ton war sachlich. Insgesamt eine zielführende Sitzung", lautet sein Fazit der knapp 90-minütigen Runde.
Über den Inhalt durfte er sich nicht äußern. Ein Regierungssprecher berichtete später, dass es vor allem um die Ernennung des neuen Kredit-Mediators der Regierung, Hans-Joachim Metternich, gegangen sei. Und natürlich um die neue Familienministerin Kristina Köhler.
Die 32-Jährige - jüngstes Regierungsmitglied - hat ihre Karriere in kurzer Zeit konsequent bis ins Kabinett vorangetrieben. Die Spannung ist groß, wie sie sich dort machen wird.
Als Familienpolitikerin war Köhler bislang nicht aufgefallen. In ersten Interviews bemühte sie sich, ein modernes Familienbild zu formulieren. Großes Glück sei es, wenn in Partnerschaften oder zwischen Kindern und Eltern Verantwortung übernommen werde.
Dass kurz vor ihrer Vereidigung bekannt wurde, dass die Ministerin im Februar heiraten will, provozierte gleichzeitig bissige Kritik. "Man kann von einer Muss-Ehe neuen Typs sprechen", ätzt der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck. Das Ja-Wort will die CDU-Politikerin ihrem Lebensgefährten, Innen-Staatssekretär Ole Schröder (38/CDU), geben. Im linken Spektrum wurde zudem argwöhnisch ein Eintrag Köhlers in der Abiturzeitung von 1997 registriert, nach dem sie niemals Feministin werden wolle.
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