Das gilt für die ganze Band, denn für seine "Electric Guitar Tour", in der Stadthalle präsentiert vom Mindener Tageblatt, hat David Knopfler (Gitarre, Piano, Gesang) exzellente Musiker verpflichtet: Gitarrist Harry Bogdanovs spielte schon für Elton John und Westernhagen, Bassist Pete Shaw und Schlagzeuger Martin Ditcham arbeiten zum Beispiel für Chris Rea.
David Knopfler (56) ist nichts für Headbanger oder Luftgitarristen, und aus einem im Schnitt etwas älteren Publikum fliegen auch keine Dessous auf die Bühne. Musik zum Relaxen macht er, genau richtig für einen Sonntagabend. Gefühlvolle Balladen wechseln mit Rocksongs. Der gebürtige Schotte gilt als Mann der leisen Töne und hemmungsloser Romantiker, als Vollblut-Musiker und klassischer Songwriter mit hohem Anspruch, dessen Stücke aus eigener Feder immer dann vollauf überzeugen, wenn es um Sinn und Unsinn des menschlichen Daseins geht.
Für diese Geschichten nimmt sich Knopfler Zeit. Auf der aktuellen Tournee, vom Management als "vollkommen elektrisch" angekündigt, kommt er indes zunehmend rockig rüber, was natürlich an den E-Gitarren liegt, einer (vorübergehenden?) Abkehr von den akustischen Jahren. Intim sind diese Konzerte dennoch. Die Stadthalle, gefüllt mit rund 500 Fans, wird zum Wohnzimmer. Mark ist der Rockstar, David der Poet. Große Gesten und Starallüren sind ihm fremd. Der Mann ruht in sich selbst.
Klar, ein paar ganz alte Sachen müssen sein, und mit der Vergangenheit ist David Knopfler im Reinen. Deshalb spielt er "Wild West End" ebenso wie "What´s The Matter Baby" oder "Bernadette", nicht jedoch "Sultans Of Swing". Für das Spätwerk stehen "Easy Street", "Tears Fall" oder "America", insgesamt ein Querschnitt aus Jahrzehnten. Im Kern konzentriert er sich auch in Minden auf sein eigenes Schaffen, das zwischenzeitlich etwa zehn Alben umfasst. Zwischen den Liedern stimmt Knopfler seine Gitarre und erzählt kleine Geschichten. Manchmal kommen darin kurz die "Dire Straits" vor, gern mit ironischem Unterton.
David Knopfler kann nicht verleugnen, dass Mark sein Bruder ist. Beide haben die gleiche markante, etwas brüchige Stimme, die schon immer an schottischen Whisky erinnert hat und mit dem Alter weiter gereift ist. Auch sonst kommt der legendäre "Dire Straits"-Sound an vielen Stellen durch. Aber warum nicht?
Tiefsinnige Songs oder Hang zu Kitsch und Pathos?
Nach nur drei gemeinsamen Jahren hatte David die Erfolgsband (1977-1995) verlassen, um eine Solokarriere zu starten, ausgezeichnet mit vielen Preisen. Von Nostalgie hält er nichts und legt umso mehr Wert auf poetisch-musikalische Eigenständigkeit. Die meisten Kritiker lieben den 56-Jährigen und seine tiefsinnigen Songs, einige werfen ihm einen Hang zu Kitsch und Pathos vor. Ob der Nerv getroffen ist, ein Schauer den Rücken runterläuft, muss jeder Zuhörer selbst beurteilen. Mehrere Zugaben sind in Minden Ehrensache, nach dem Konzert mischt sich der Künstler unter sein begeistertes Publikum.
"Ich bin nur ein Liedermacher", sagt er. So oder so: Aus dem Schatten seines großen Bruders ist David Knopfler längst getreten.
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