Auch nach ihrer Rückkehr nach Afghanistan wird die kleine Azizah weiter von der Hilfsorganisation Robin Aid betreut
Die Gasteltern haben das Mädchen auf Afghanistan während ihrer Chemotherapie bei sich zu Hause aufgenommen. So funktioniert das Prinzip der medizinischen Hilfsorganisation Robin Aid: Ständig engagierte Menschen suchen, die einen Teil ihrer Zeit verschenken. Oder ihr medizinisches Know-how. "Ohne ein gutes Netzwerk würde unsere Arbeit nicht funktionieren", sagt Dr. med Matthias Angrés, Gründer und Vorsitzender der Stiftung. Dass der Abschied von dem kleinen Mädchen schwierig wird, weiß Angrés: Das sei unvermeidlich, aber in gewisser Weise auch richtig: "Andernfalls wären es nämlich die falschen Gasteltern gewesen."
Mit ihrem Vater im fernen Kabul spricht Azizah hin und wieder am Telefon. Manchmal bringt Dr. Angrés, der sich oft in Afghanistan aufhält, ihr auch Videobotschaften mit. Denn der Kontakt zu ihren Eltern und Geschwistern soll nicht abreißen. Weil erwachsene Afghanen grundsätzlich kein Visum für Deutschland erhalten, musste das schwer kranke Mädchen die weite Reise nach Deutschland ohne Mutter oder Vater antreten. Im April wurde das Kind im Johannes-Wesling-Klinikum operiert (Berichte im MT). Entfernt wurde ein bösartiger Hirntumor, der bereits auf die Größe einer Orange angewachsen war. Bei konsequenter Behandlung hat sie jetzt gute Chancen, wieder ganz gesund zu werden.
Mit dem Dreirad flitzt sie über den Krankenhausflur: Azizah verträgt die Therapie gut.
Ihr Deutsch wird von Tag zu Tag besser. Inzwischen kann Azizah schon ganze Sätze sagen: "Wenn der Schlauch ab ist, komme ich mit Claudia zu dir", kündigte sie kürzlich der Sekretärin an. Claudia Driftmann heißt die Erzieherin, die sich im Eltern-Kind-Zentrum (Elki) um das Mädchen kümmert. Sie hat viel zu lachen mit Azizah, die aufgeweckt, witzig und neugierig ist. Und auch ein bisschen eitel: Sie liebt es, schöne Kleidchen zu tragen. "Was sie hingegen nicht so gerne mag, ist ihr Mittagschläfchen", erzählt Claudia Driftmann. Da bedarf es hin und wieder einer gewissen Überzeugungskraft.
Das Prinzip der Hilfsorganisation Robin Aid ist auf Nachhaltigkeit angelegt. Das heißt: Auch nach ihrer Rückkehr nach Afghanistan wird Azizah weiter betreut werden. Dr. Matthias Angrés: "Wir werden weiter mit ihrer Familie in Kontakt bleiben." Das medizinische Nachsorgeprogramm erhalte sie im "French Medical Institute for Children" in Kabul, kurz FMIC. Die Tür wird also mit Azizahs Rückkehr nicht zugeschlagen - sie bleibt angelehnt. Das Motto der Stiftung: "Wer ein Kind rettet, rettet die ganze Welt."
Ohne finanzielle Hilfe wäre das unmöglich. Dr. Angrés und das Team vom Elki hoffen weiter auf die Unterstützung von MT-Lesern. Viele Menschen im Kreis Minden-Lübbecke und Umgebung haben schon geholfen: Durch viele, meist kleinere Spenden sind bisher 7000 Euro zusammen gekommen. "Aber noch reicht die Summe nicht aus", sagt Dr. Bernhard Erdlenbruch. Wie die anderen Chefärzte auch verzichtet der Leiter der Kinder-Onkologie auf Honorar. Wer Fragen zu der Spendenaktion hat, könne sich jederzeit direkt an ihn wenden unter der Telefonnummer (0571) 790 40 01.
Extra für Azizah wurde ein Spendenkonto eingerichtet. Wofür das Geld im Detail verwendet wurde, können alle Interessierten dann nächstes Jahr im Jahresbericht nachlesen, der im Internet (www.robinaid.de) veröffentlicht wird.
Die Bankverbindung lautet: Robin Aid, Stichwort: Azizah, Bank für Sozialwirtschaft, Konto-Nr. 946 00 00, Bankleitzahl: 251 205 10.
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