Hinter dem Begriff Waldkindergarten verbirgt sich ein pädagogisches Konzept aus Skandinavien, das seit 1993 auch zunehmend in Deutschland Anhänger findet. Bis heute gibt es hierzulande etwa 300 Kindergärten dieser Art, von denen sich einer im Heisterholzer Wald in Petershagen befindet, der am Sonntag sein zehnjähriges Bestehen feierte.
Etwa 20 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren verbringen hier zusammen mit zwei Erzieherinnen und einer Ergänzungskraft den Vormittag und das nicht in einer Kindertagesstätte, sondern im Wald.
An fünf Tagen in der Woche, jeweils von 8 bis 12.30 Uhr bietet der ihnen Beschäftigung verschiedenster Art - und das bei jedem Wetter. Denn ein festes Gebäude gibt es nicht. "Wir haben aber einen beheizbaren Bauwagen im Randbereich des Waldes, den die Gruppe bei Bedarf nutzen kann", erklärt Christian Frenz, Vorsitzender der Elterninitiative, die auch Trägerin des vom Jugendamt anerkannten Kindergartens ist. Außerdem könne auch ein Raum der nahegelegenen Biologischen Station genutzt werden, in dem einmal in der Woche auch die musikalische Früherziehung abläuft. "Aber der Aufenthalt in den Räumen ist eher die Ausnahme", ergänzt Frenz. "Denn es geht bei unserem Konzept ja gerade darum, die verschiedenen Wetterverhältnisse erlebbar zu machen."
Und so toben die Kleinen zu jeder Jahreszeit durch "ihren" Wald, arbeiten mit Werkzeugen, füttern Tiere, bauen Holzhütten und erkunden die Umgebung.
Drei zentrale Punkte zeichnen dabei das spezielle Konzept des Kindergartens aus: Bewegung rund um den Tag, ganzheitliche Sinneserfahrungen und der Aufforderungscharakter der Natur. Denn der Waldkindergarten ist spielzeugfreie Zone: "Hier kann ein einziger Stock alles sein: Zauberschwert, Kochlöffel oder Musikinstrument", sagt Doris Dammeier, die zusammen mit ihren Kolleginnen Elke Fiefstück, Gudrun Kenning (zurzeit im Mutterschutz) und Ergänzungskraft Natascha Turowski die Kinder Tag für Tag betreut. Es liege alles in der Fantasie des Kindes, die bei diesem pädagogischen Konzept besonders gefördert werde.
Ein Konzept, das auch die Eltern der Waldkinder zu schätzen wissen: "Es gibt nichts Besseres", stellt Claudia Gallmeier fest, die lange Zeit selbst zwei Pflegekinder vormittags im Heisterholz betreuen ließ. "Ich bin dafür früher jeden Tag 50 Kilometer gefahren, aber für mich gab es nie eine Alternative. Hier sind wirklich alle mit Herz und Seele dabei."
Und das trifft auch auf die Eltern zu. Ob Krankheitsvertretung, Bücherbeschaffung oder Ausflugsbegleitung, die Vereinsmitglieder bringen sich alle mit ein. Doch das freiwillige Engagement zahle sich aus, so Claudia Gallmeier.
Auf die Frage, ob sie wieder Kinder im Waldkindergarten Heisterholz anmelden würde, antwortet sie dann auch eindeutig und ohne Zögern: "Selbstverständlich, jederzeit."
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