MT-Stadtgespräch mit Oberstufenschülern: Bürgermeisterkandidaten geben sich angriffslustig
Nachdem sich Anke Peithmann (gemeinsame Kandidatin von CDU und FDP), Michael Buhre (SPD) und Bürger-Bündnis-Bewerber Peter Düster etwas mehr als 45 Minuten über Schulentwicklung und Co. warmgeredet haben, werden die Töne schärfer. Als Düster ankündigt, als Bürgermeister in allen brisanten Fragen der Bildungspolitik in Düsseldorf "auf den Putz zu hauen", wird Buhre deutlich. "Ich möchte mal wissen, wann du dann noch im Rathaus am Schreibtisch sitzen willst."
Es bleibt nicht das einzige Mal, dass die unterschiedlichen Ansichten der Kandidaten in der rund 90-minütigen Veranstaltung zutage treten. So will der BBM-Kandidat beispielsweise eine Großdisko im früheren Hertie-Komplex öffnen lassen, was der Bürgermeister als "Todesstoß" für den Einzelhandel in der Bäckerstraße wertet. Die Fronten sind positioniert.
Interessiert und engagiert fühlten die Schülerinnen und Schüler den Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn.
Dass der Schwerpunkt der Mindener Politik in der Investition in Bildung liegen soll, stellt Anke Peithmann (46) heraus. Da habe sich zwar etwas getan, aber: "Es gibt noch viel zu tun", sagt die Kandidatin, die als Vize-Präsidentin des Bundesamtes für Zivildienst in Köln tätig ist. Man müsse neue Anreize schaffen, um mehr Lehrer zu bekommen - und auch der Ausbau des Ganztags könne besser sein. "Das habe ich bei meiner Tour durch die Schulen festgestellt."
"Handfeste Beweise" von Kandidaten verlangt
In der von MT-Lokalchef Hans-Jürgen Amtage moderierten Veranstaltung geben sich auch die Schüler angriffslustig. "Was wollen Sie besser machen", wird Peithmann von einem Schüler gefragt, der in der Antwort "handfeste Beweise" haben möchte. Sie nennt die Innenstadt, die bekanntermaßen von Leerständen der Geschäfte betroffen ist.
"Ich will das Verbesserungspotenzial ausschöpfen", sagt sie - und die Stärken der Stadt besser nutzen. Michael Buhre (48) nutzt das als eine Steilvorlage. "Wir hatten mit der Domhof-Galerie eine große Chance." Die sei zu seinem Bedauern vertan. Er setze jetzt voll auf den Masterplan.
Düster, dessen Bürger-Bündnis Minden bekanntlich gegen ein großes Einkaufszentrum am Standort des Rathauses aus den 1970er-Jahren ist, lässt diesen Seitenhieb nicht auf sich sitzen. "Die Dinge müssen sich rechnen", sagt der 64-Jährige, der nahezu drei Jahrzehnte die Mindener Stadtplanung leitete. Er macht deutlich, dass sich das BBM einen anderen Weg zur Belebung der Innenstadt vorstellt. "Dazu gehört auch, den Kleinen Domhof so zu erhalten."
Düster will die Wirtschaftsförderung vernetzen - und hält die Verwaltungsstrukturen für fest gefahren. Er will eine Art "schnelle Eingreiftruppe", die interessierten Unternehmen in 24 Stunden mitteilt, ob ihr Vorhaben in der Stadt grundsätzlich möglich ist.
"Runde Tische haben wir längst - und viele Unternehmen haben sich in Minden neu angesiedelt", kontert Buhre in der voll besetzten Aula, in der mit dem Ausbau des Mindener Hafens, der Arbeitsmarktsituation oder der Hartz-IV-Quote (Peithmann: Die ist in Minden zurzeit leider viel zu hoch) noch weitere brisante Themen auf den Tisch kommen.
Schüler besorgt über Rechtsextremismus
"Was tun Sie gegen die rechtsextreme Szene?", will dann ein Oberstufenschüler wissen. Die Kandidaten geizen in der Sache nicht mit deutlichen Worten. "Wir müssen denen klar machen, dass wir sie bei uns nicht wollen", sagt Buhre. Das Stadtoberhaupt bringt den Begriff "bunte Stadt" ins Spiel - und auch seine Mitbewerber beziehen darin klare Positionen.
So sieht Peithmann in Gegendemos wichtige Signale, die allerdings allein noch nicht ausreichen. Sie möchte mehr Aufklärungsarbeit, was auch Düster grundsätzlich will. "Wir müssen den Dingen auf den Grund gehen." Die drei Bürgermeisterkandidaten sind sich einig, dass die Gefahr von ganz Rechts immer noch da ist. "Wenn die wieder kommen, werde ich in der Gegendemo wieder ganz vorn stehen", sagt Michael Buhre. Er forderte die Zuhörer dazu auf, nicht wegzusehen - und auch die Polizei einzuschalten. "Sollte es dann noch Probleme geben, bitte ich Sie, sich persönlich bei mir zu melden."
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