Im Mittelpunkt der Ausstellung steht im Untergeschoss der 42 Blätter umfassende Zyklus zu der antiken Liebesgeschichte "Daphnis und Chloé" des griechischen Dichters Longus, allesamt Lithografien von leuchtender Farbigkeit, eine Leihgabe des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr in der Alten Post. Der griechisch-französische Verleger Tériade hatte Chagall (1887-1985) 1952 gebeten, diesen Text zu illustrieren. Zweimal reiste Chagall an die Schauplätze der Handlung, um sich von den Formen der Landschaft, ihren Farben und dem Licht inspirieren zu lassen.
Die vermutlich im dritten Jahrhundert auf der Insel Lesbos entstandene Geschichte erzählt von zwei Kindern, die von ihren Eltern ausgesetzt, bei Hirten aufwachsen. Auf etlichen Umwegen entdecken sie ihre Liebe füreinander und schließlich wird auch ihre besondere Herkunft offenbart. Voller Poesie gestaltet Chagall blühende mediterrane Landschaften, verwebt die griechische Mythologie mit märchenhaften Elementen aus seiner Heimat.
Als Grafiker sei der in Weißrussland geborene Maler ein Spätberufener, erläuterte Helmert-Corvey bei der Vorbesichtigung. Zunächst habe er Zeichnungen angefertigt, die von Grafikern umgesetzt wurden. Erst mit 65 Jahren habe er angefangen selbst auf der Steinplatte zu zeichnen. Das sei ein schwieriger Prozess für einen spontan arbeitenden Künstler, weil er sich selbst disziplinieren müsse, denn für jede Farbe muss eine eigene Platte angefertigt werden, erläutert Sonja Ziemann-Heitkämper, die jeden Sonntag (15 Uhr) durch die Ausstellung führt. Chagall habe für die 42 Lithografien mehr als 1000 Druckplatten angefertigt.
Auch die Holzschnitte für den Zyklus "Poèmes", ausgeliehen von der Galerie Fetzer (Baden-Württemberg) fertigte Chagall 1968 selbst an. Sie illustrieren Gedichte, die Chagall vor allem zwischen 1930 und 1964 verfasst hatte, als Chagall in Frankreich und den USA lebte. Auch diese 24 Arbeiten bestechen durch eine differenzierte Farbigkeit, für die wiederum zahlreiche Druckvorgänge notwendig waren. "Die Technik des Holzschnitts spielte auch in der russischen Volkskunst eine große Rolle", sagt Helmert-Corvey.
Die Motive haben häufig einen autobiografischen Bezug. So entstand das Gedicht "Der Garten" 1909, als er gerade seine Frau Bella kennenlernte. Das Blatt dazu, in dem Chagall Holzschnitt und Collage kombiniert, zeigt eine Frau, die verträumt auf einen Blumenstrauß blickt. Über ihr schwebt ein Engel. Hier kommt der Mensch Chagall zum Vorschein.
Bis 21. März, Pöppelmann-Haus, Herford, Deichtorwall 2, geöffnet Di-Sa 14-18 Uhr, So 11-18 Uhr
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