Derzeit befindet er sich in einer Schaffens- und Lebenskrise, weil er soeben von seiner Freundin verlassen wurde und ihm seit längerem die literarische Inspiration fehlt. Hilfe erfährt er durch seinen Freund und Gönner, den erfolgreichen Verleger Karlhanns Pretenius, der ihn sozusagen als literarische Therapie in die Eremitage eines abgelegenen, reetgedeckten Hauses am Moor schickt.
Wie durch Zufall stößt Kehlenbach dort unter den Dielen auf ein Bündel versteckter Liebesbriefe aus den 50er-Jahren. Als lesender Voyeur nähert er sich immer mehr jener jungen Magda, die dort erst leidenschaftliche, später zunehmend verzweifelte Briefe an ihren deutlich älteren, heimlichen Geliebten richtet. So sehr, dass sie ihm netterweise regelmäßig im Traum erscheint und zur eigenen Geliebten - und somit zur neuen Muse - wird.
Mit "der beginnenden Liebe zu Magda, die so real wie irreal zugleich ist", verliert er zwar mehr und mehr den Bezug zur Realität, tröstet er sich aber über seine gescheiterte Beziehung hinweg und genießt "die wiedergewonnene Freude am Schreiben, das einmal ein Lebensquell für mich gewesen ist." Ausführlich lässt Neuert, der seit 2010 in Minden lebt, seinen Erzähler Kehlenbach jeden seiner Gedanken und jedes Gefühl äußern und kommentieren. Die zunehmenden, visionenartigen Erlebnisse des Protagonisten einerseits, die Aufdeckung der Hintergründe andererseits sind mitunter weniger plausibel als erzähltechnisch motiviert: Sie sind Voraussetzung für den Spannungsbogen zum (genretypischen) finalen Höhepunkt.
Am Dienstag, 18. September, um 20 Uhr stellt Marcus Neuert seine Erzählung "Moornovelle" (Free Pen Verlag) in der Stadtbibliothek Minden vor. Der Eintritt ist frei.