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19.07.2012
Archäologen suchen Spuren der Germanen
Neue Ausgrabungen rund um das antike Schlachtfeld bei Kalkriese / Wie sah die Landschaft vor 2000 Jahren aus?

Kalkriese (lni). Drei Jahre nach dem Varusschlacht-Jubiläum geht die Forschungsarbeit in Kalkriese weiter. Wissenschaftler erforschen nun das germanische Leben in der Region zur Zeit um Christi Geburt und wollen das Schlachtfeld in diesen Kontext einordnen.

Grabungstechniker Axel Thiele sitzt an der Bundesstraße 218 bei Bramsche (Landkreis Osnabrück) bei Grabungen nach alten germanischen Siedlungen aus der Zeit der Varusschlacht. | Foto: Hermann Pentermann

Bereits im zweiten Jahr graben Archäologen nach germanischen Siedlungen im Umfeld des Schlachtfeldes, sagte Prof. Günther Moosbauer von der Universität Osnabrück gestern. "Es geht um Detailfragen, etwa: Wie ist das Schlachtfeld eingebettet in die Siedlungslandschaft?", erläuterte er. Wissenschaftlich sei die Frage nach den Rahmenbedingungen eines Schlachtfeldes Neuland. Gegraben wird noch bis Oktober. Die Forscher haben bereits den Grundriss eines germanischen Hauses aus der Zeit um Christi Geburt freigelegt.

Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie die Landschaft vor 2000 Jahren zur Zeit der historischen Varusschlacht aussah, wie stark sie besiedelt war und welche Verkehrswege es gab, sagte Archäologe Achim Rost. "Es war keine große Siedlung hier", sagte er. Dennoch lebten in der Region Menschen, die intensiv Landwirtschaft betrieben.

Das antike Schlachtfeld hatte eine Größe von bis zu 30 Quadratkilometern, sagte Moosbauer. Es dürften ungefähr 12 000 römische Soldaten auf dem Weg von der Weser in Richtung Westen unterwegs gewesen sein. Das Areal liegt zwischen einem Berghang und einem Moorgebiet.

Von Häusern blieben nur Verfärbungen im Boden

Wahrscheinlich attackierten die Germanen unter Anführer Arminius die Römer in einer Guerilla-Taktik. Es dürften auch mehrere Tausend Germanen anderer Stämme am Ort gewesen sein. "Die mussten auch irgendwie ernährt werden", so Rost.

Bei der Auswahl der Grabungsorte habe man sich an älteren Grabungen aus den 90er Jahren orientiert, sagte Archäologin Susanne Wilbers-Rost. Von den aus Holz gebauten germanischen Häusern sind heute nur noch dunkle Verfärbungen in dem sandigen Boden in etwa dreißig Zentimetern Tiefe zu sehen. "Die Holzpfähle waren irgendwann weg, aber dafür rutschte Mutterboden von oben nach."

Die genaue Datierung der Siedlungsstelle soll später anhand von Keramik-Funden erfolgen. Die Arbeit der Archäologen gleiche einem Puzzle, erklärte Wilbers-Rost. Denn es gibt nicht nur menschliche Siedlungsspuren aus jüngerer Zeit, etwa dem Mittelalter. Auch Tiere haben Gänge in der Erde gegraben und damit Spuren hinterlassen.

Kalkriese bei Osnabrück war Schauplatz einer Schlacht zwischen Römern und Germanen - wahrscheinlich der legendären Varusschlacht neun nach Christus. Der Ort geriet vor genau 25 Jahren in den Blick der Wissenschaft, als der britische Hobby-Archäologe Tony Clunn bei seiner Suche im Sommer 1987 römische Münzen fand.

Museum und Park Kalkriese, Venner Str. 69, Bramsche-Kalkriese, täglich 10-18 Uhr

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 18.07.2012 um 23:10:23 Uhr

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