Gleichzeitig ist die Leitungsstelle für das Archiv, das zu gleichen Teilen von der Stadt und dem Kreis Minden-Lübbecke getragen wird, mit einer Wochenarbeitszeit von 19.5 Stunden öffentlich zum nächstmöglichen Termin ausgeschrieben.
"Ich merke, dass ich meinen Job nicht mehr so erfüllen kann, wie ich es möchte", erläutert Schulte. Seit zwei Jahren wisse sie, dass sie an einer chronischen Krankheit leide, und habe sich darum entschlossen, die Leitungsfunktion abzugeben. Als Mitarbeiterin bleibe sie dem Kommunalarchiv aber erhalten. "Ich arbeite weiter, aber anders als bisher. Darum bin ich eher in einer Aufbruch- als in einer Abschiedsstimmung", sagt die 47-Jährige. Sie werde künftig stärker im wissenschaftlichen Bereich arbeiten. Dabei werde sicherlich das Stichwort kulturelle Bildung eine große Rolle spielen. Diesem Themenfeld werde nicht nur von der Stadt Minden, sondern auch vom Land NRW eine hohe Priorität eingeräumt.
2000 die Stelle in Minden angetreten
Schulte, am 29. Oktober 1964 in Herne geboren, leitete das Kommunalarchiv Minden seit dem Jahr 2000. Sie hatte zunächst in Münster die Fächer Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert und 1992 ihr erstes Staatsexamen abgelegt. Daran schloss sie jedoch die Promotion mit dem Hauptfach mittlere Geschichte an (Nebenfächer neuere Geschichte und Germanistik). Ihre Dissertation wurde 1997 veröffentlicht. Ihr Archivreferendariat absolvierte sie ab Mai 1996 im Staatsarchiv Detmold und an der Staatlichen Archivschule in Marburg. Nach dem Abschluss hatte sie ab 1998 einen auf eineinhalb Jahre befristeten Forschungsauftrag am Staatsarchiv Bremen zur Erschließung des Nachlasses des Bürgermeisters Johann Smidt (1773-1857), dem Gründer Bremerhavens. Bevor sie die Stelle in Minden antrat, hatte sie für knapp drei Monate die Stadtarchive in Borgholzhausen und Versmold betreut.
Im Kommunalarchiv Minden arbeite "ein sehr gutes Team", blickt Schulte nun zurück. Bereits als sie angefangen habe, sei deutlich gewesen, dass das Archiv mehr Platz benötige. Diese Aufgabe sei noch nicht beendet, obwohl mittlerweile sowohl die Stadt als auch der Kreis externe Magazinflächen geschaffen hätten, meint Schulte. Für die Außenstelle des Kreises sei mittlerweile die entsprechende Klimatechnik geplant und damit seien die Räume auf dem Weg zu vollwertiger Archivfläche.
Auch die Umstellung des Archivs auf elektronische Datenverarbeitung sei in den vergangenen Jahren in großen Schritten vorangekommen. "Als ich anfing, gab es einen PC im Haus. Jetzt sind alle Arbeitsplätze mit einem PC ausgestattet", berichtet Schulte. Demnächst werde auch den Besuchern im Lesesaal ein PC für Recherchen zur Verfügung stehen. "Das schont stark frequentierte Dokumente", sagt Schulte.
Die größte Herausforderung in den vergangenen zwölf Jahren sei allerdings die Sanierung des historischen Gebäudes an der Tonhallenstraße bei laufendem Betrieb gewesen. Von Anfang 2002 bis Ende 2004 bekam das ehemalige Landratsamt ein neues Dach, wurde neu verkabelt und gründlich saniert. Das sei eine Herausforderung auch hinsichtlich der Sicherheit der verwahrten Dokumente gewesen.