Blackbirds spielen zum 50. Geburtstag des Hamburger Star Clubs
"Für uns ist das der Ritterschlag"
VON URSULA KOCH
Minden (mt). Anfang der 60er Jahre stehen die Zeichen auf Veränderung. Der Beat liefert den neuen Rhythmus, der auch fünf junge Männer in Minden erfasst. Manfred Schmidt (Gesang), Rainer Buschmann (Rhythmusgitarre), Werner "Govi" Monka (Gitarre), Herbert Lautz (Bass) und Stephan Böhme (Schlagzeug) gründen 1962 die "Blackbirds".
Das ist 50 Jahre her. Schmidt war damals 17, die anderen noch zwei bis drei Jahre jünger. Trotzdem spielten sie jedes Wochenende in Clubs und Gaststätten in der gesamten Region, wie in der Tonhalle in Minden, im Zentralhotel in Löhne oder später im Star Club in Bielefeld, einem Ableger der mit den Beatles berühmt gewordenen Bühne in Hamburg. "Wir konnten uns damals zwei Fahrer und einen Bulli leisten", erinnert sich Schmidt. Er hatte Unterschriften der Eltern seiner Bandkollegen in der Tasche, mit denen sie ihren Sprösslingen erlaubten, noch nach 22 Uhr zu spielen.
Sie traten als Vorgruppe berühmter deutscher Bands wie den "Rattles" oder den "Lords" auf, aber auch für "King Sitze Taylor and the Dominos", eine Band aus Liverpool, deren Stil die Beatles maßgeblich beeinflusste. "Wir wollten frei sein, unser eigenes Ding machen", benennt der heute 67-Jährige das Lebensgefühl von damals.
Die Band von damals hat sich 1967 in alle Winde zerstreut. Aus beruflichen Gründen hatte sich die Band 1967 aufgelöst. "Musik als Beruf hätte uns allen keinen Spaß gemacht", ist Schmidt überzeugt. Aber irgendwie seien sie doch alle dem Rock n Roll treu geblieben. Monka lebt heute auf Hawaii und hat dort ein Ton-Studio, Rainer Buschmann baut in Dankersen Gitarren, die von Musikern hochgeschätzt würden, berichtet Schmidt. Stephan Böhme ist Bürgermeister in Porta Westfalica. Auch er setzt sich gelegentlich noch ans Schlagzeug.
Seit 1990 gibt es eine Neuauflage der Blackbirds mit Sänger Manfred Schmidt. Seine Silberhochzeit war damals der Grund für die Wiedervereinigung, bei der zunächst auch Rainer Buschmann dabei war, der vor einigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen wieder ausstieg. Heute ist Schmidt wieder der Senior. Seine Mitstreiter Jens Petersen (Gitarre, Bass), Volker Wardeski (Gitarre, Bass), Jens Lüpke (Piano, Bass) und Reiner Walter (Schlagzeug) sind in den 40ern. Zum Repertoire gehören noch immer die Hits der 60er Jahre. Auf Oldie-Festen haben sie mit den Stars von damals wie Uriah Heep, John Kincade oder Middle of the Road auf der Bühne gestanden. Die Blackbirds haben sich wieder einen Ruf erspielt und ihre Konzerttätigkeit mittlerweile wieder von 30 Auftritten pro Jahr auf etwa zehn zurückgeschraubt. "Wir spielten und spielen vor allem aus Leidenschaft", sagt Schmidt. Geld sei nicht der Motor. Im BÜZ oder im Bunker sind sie regelmäßig, ebenso wie in Osnabrück oder in Steinhude. Immer noch wird einmal die Woche geprobt, im Haus des Schlagzeugers in Bückeburg. Und Schmidt ist heute noch vor jedem Auftritt so nervös wie in den 60er Jahren: "Wir wollen vor 20 Zuhörern genauso gut spielen wie vor 2000. Wenn die Anspannung nicht da ist, funktioniert das nicht."
Und an diesem Wochenende treten sie in Hamburg auf - bei der zweitägigen Party zum 50. Geburtstag des Star Clubs in den Fliegenden Bauten. Karten gibt es schon seit Wochen nicht mehr. Dann stehen sie neben Kingsize Taylor, Clem Clempson, Chris Farlowe, The Rattles oder John Law & Tremors auf der Bühne. "King Size Taylor war durch einen Konzertmitschnitt auf uns aufmerksam geworden", erzählt Wardeski. "Das ist für uns der Ritterschlag", sagen beide wie aus einem Mund.
Endlich mal ein angemesener Artikel - gefällt mir! Daumen hoch !!!!
Lothar Wiese schrieb am 12.04.2012 10:53 Uhr
Ich kenne die Schwarzen Vögel noch aus der Zeit als sie regelmäßig in der GRILLE spielten, dem wohl bekanntestem Musik und Tanzlokal Ostwestfalens, welches in dem Bericht überhaupt nicht erwähnt wurde. Auch meine ich, das zur Stammbesetzung nicht der Dankerser Monka, sondern der jüngere Bruder vom Herrn Schmitt gehörte? Da hat das MT wohl nicht richtig recherchiert? Das aber zumindest etwas aus der doch interessanten Musikgeschichte Mindens erwähnt wird, ist anzuerkennen. Wünsche den Blackbirds ein tolles Publikum.
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