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24.02.2012
Frisch von der rheinischen Leber weg
Fröhliche und spannende Sprachkunde mit Konrad Beikircher / Abschluss der Kabarett-Tage
VON RALF KAPRIES

Minden (pri). Ein Mikrofon auf einem Stativ - fertig ist die Bühnendekoration. Dann kommt ein Mann mit strahlendem Lächeln und sonnigem Gemüt und beginnt zu reden und das allein unterhält und das hält ein ganzes abendfüllendes Programm und das ist große Klasse. Die Rede ist von Konrad Beikircher, der am Mittwoch im Stadttheater Minden auftrat.

Konrad Beikircher redet und redet und unterhält sein Publikum damit großartig. | Foto: Ralf Kapries

Beikircher - der Name klingt typisch bayrisch. Und so ist die Frage nicht selten: "Sagen Sie mal, woher können Sie eigentlich so gut rheinisch, wo Sie doch eigentlich aus Bayern sind?" Im Rheinland entwickelt sich das dann so weiter: "Giuter Mann, isch bin aus Südtirol." - "Ah ja, wolld isch jrad sagen: für einen Österreicher sprechen Sie aber jut kölsch." - "Südtirol ist in Italien." - "Aber noch nicht lang!"

Schon diese wenigen Sätze machen rheinische Mentalität deutlich: Der Rheinländer ist nie verlegen und er hat immer das letzte Wort. Beikircher wurde in Bruneck geboren, so erzählt er, und wuchs mehrsprachig auf - neben Deutsch und Italienisch sprach er noch einen besonders "fiesen Dialekt". Als er als junger Mann ins Rheinland kam, hat er zunächst nichts verstanden. Aber mit der Vorbildung und seiner natürlichen Sprachbegabung entwickelte er eine besondere Liebe zu Dialekten, insbesondere auch des Rheinischen, und die legt er seinem Publikum im elften Teil seiner Rheinland-Trilogie nun als fröhliche Sprachkunde, reichlich mit praktischen Beispielen dekoriert auf rheinische Art, vor.

Rheinische Art, das heißt weitschweifig, oder besser umschweifig, denn der Rheinländer schweift ständig von seinem Thema ab und um es herum. In der Wissenschaft nennt man so etwas Exkurs; der Rheinländer befindet sich auf einem ständigen solchen. Charakteristisch ist laut Beikircher - und mit seinem eigenen Redefluss auch reichlich belegt - der unvermittelte Einsatz seiner Gesprächsthemen, höchstens eingeleitet durch den Satz: "Wo Sie gerade von ... reden." Die Rede endet mit dem rheinischen Ich-Bezug wie: "Also, ich könnt dat nit!" Oder: "Mir könne do nix klage."

Der Rheinländer verzichtet gerne auf die End-Vokale; wer bis dahin noch nicht weiß, was das Wort bedeuten soll, kapiert es auch dann nicht, wenn man noch den Rest ausspricht. Das lohnt also der Mühe nicht.

Carsten Hormes plant schon die 8. Kabarett-Tage

Und so gibt es neben der rheinischen Grammatik, wie die zukünftige Vergangenheit ("Ich wollde Sie hächzlisch willkommen jeheißen haben"), auch Einblicke in die rheinische Geschichte, besonders hübsch dargestellt an einer Anekdote über Rudi Dutschke.

Der Revoluzzer kam im September 1967 nach Bonn an die Universität, gab dort seinen Parka an der zentralen Garderobe ab, ließ sich ein Megafon reichen, ging in den Innenhof und begann draußen seine Rede. "Et wör fies iggelisch", wie der Rheinländer das typische Novemberwetter umschreibt, und es begann zu regnen, was Dutschkes Pullover mehr und mehr durchweichte, worauf eine der Garderobieren, eine ältere Dame von mütterlicher Gestalt und ebensolcher Gesinnung, ihm seinen Parka nach draußen brachte und ihm beim Anziehen mit den Worten half: "Herr Dutschke, se holen sisch ja de Dood." Und dann: "Ach, hätten se filleisch noch de Jarderobenmachke?" Dutschke hatte und bedankte sich artig, bevor er seine Rede fortsetzte. Dat is de ränische Räffeluzjonsjeschischte.

Wer mehr wissen will, muss Beikircher gucken, vielleicht im nächsten Jahr, denn Carsten Holmes, der die Kabarettreihe "Kabarett statt Karneval" für das Kulturbüro OWL organisiert, ist schon mit den Planungen fürs nächste Jahr beschäftig und wagte es, auch die 8. Kabaret-Tage in Minden schon mal anzukündigen und vielleicht ist der fröhliche Sprachwissenschaftler ja wieder dabei. Seine Zuhörer am Mittwochabend jedenfalls amüsierten sich köstlich.

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Copyright © Mindener Tageblatt 2014
Dokument erstellt am 24.02.2012 um 15:50:30 Uhr

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