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04.02.2012
Pionier der künstlerischen Fotografie
Bielefelder Kunsthalle bietet umfassenden Blick auf den wenig bekannten Carl Strüwe / Kooperation mit Kunstverein
VON URSULA KOCH

Bielefeld (mt). "Mit Carl Strüwe habe ich für mich eine große Entdeckung gemacht", sagt Bielefelds Kunsthallen-Leiter Friedrich Meschede. Als Fotograf sei Strüwe (1898-1988) zu den Bedeutenden seiner Zunft zu rechnen, aber außerhalb von Fachkreisen wenig bekannt. Mit seinem Werk macht die Kunsthalle in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein bekannt. Die Ausstellung "Carl Strüwe. Reisen in unbekannte Welten" wird am Sonntag, 5. Februar, um 11.30 Uhr eröffnet.

Die Mikrofotografie nutzte Carl Strüwe in den 50er Jahren als Grundlage für komplexe Montagen. Jutta Hülsewig-Johnen (Foto) hat die Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld mit Gottfried Jäger und Thomas Thiel kuratiert. | Foto: dpa

"Wir zeigen den ganzen Strüwe", betont Meschede beim Presserundgang. Denn der Bielefelder, der als Gebrauchsgrafiker für ein heimisches Unternehmen arbeitete, hat auch ein aus Zeichnungen bestehendes Frühwerk und ein Spätwerk mit Gemälden hinterlassen. Bedeutend sei allerdings vor allem ein Werkkomplex der Fotografien, denn als erster habe Strüwe ein künstlerisches Werk auf der Grundlage der Mikrofotografie geschaffen.

Diesem sehr speziellen Gebiet räumt die von der stellvertretenden Kunsthallenleiterin Jutta Hülsewig-Johnen, Thomas Thiel (Kunstverein) und Gottfried Jäger (bis 2002 Prof. für Fotografie an der FH Bielefeld) kuratierte Ausstellung den größten Raum ein. Obwohl dies ein sehr spezielles Fachgebiet sei, weise Strüwes Werk darin dennoch eine Stilentwicklung auf, erläutert Jäger.

Den Blick durch das Mikroskop nutzt der Künstler zunächst, um geometrische Kompositionen zu schaffen. Dass es ihm von Anfang an um den künstlerischen Ausdruck gegangen sei, zeige schon die erste Arbeit aus dem Jahr 1926, die er mit "Weiß über Grau schwebend" betitelte. Das belege, dass für Strüwe die Komposition aus Kreisen wichtiger gewesen sei, als der fotografierte Gegenstand, der Schnitt durch ein Wal-Gebiss, erläutert Jäger. Diese Arbeiten seien im Spannungsfeld der Neuen Sachlichkeit entstanden. Später schuf er durch Montage und Lichtsetzungen komplexe Kompositionen auf der Basis der Mikrofotografie. Diesen Werkkomplex schließt Strüwe 1959 mit dem Bild "Endzeit Melancholie" ab, eine Komposition, die erstmals Bruchstücke von Kleinstorganismen zeigt.

Strüwes Frühwerk besteht ausschließlich aus Zeichnungen. Während seiner Lehrzeit als Lithograf ab 1913 stellt er seine Umgebung naturalistisch dar. Nach Rückkehr vom Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg studiert er neben seiner grafischen Tätigkeit an der Bielefelder Kunstgewerbeschule. Sujet bleibt seine Umgebung, jedoch wandelt sich die Darstellungsweise ins Kubistische, Abstrakte. Mit den Gemälden, die nach 1945 entstanden, taucht in Strüwes Werk erstmals Farbe auf. Hier entwickelt er sich von einer Schematisierung der Landschaft zurück zu geometrischen Grundformen und schließt damit den Kreis zu seiner ersten Mikrofotografie.

Der Kunstverein setzt in seinem Ausstellungsteil die Werke Strüwes in Bezug zu zeitgenössischer Fotografie der Amerikanerin Liz Deschenes, von Jean Paul Evers (Köln) und Jochen Lempert (Hamburg).

Bis 13. Mai, Kunsthalle Bielefeld, Di-So 11-18 Uhr; Waldhof, Welle 61, bis 29. April, Do-Fr 15-19 Uhr, Sa + So 12-19 Uhr

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Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 03.02.2012 um 22:20:20 Uhr

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