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04.02.2012
Unsichtbarer Hase verbreitet noch Unbehagen
Tucholsky-Bühne probt angespannt für Premiere von "Mein Freund Harvey" im Preußen-Museum
VON RALF KAPRIES

Minden (pri). Im Ständersaal des Preußenmuseums probt derzeit die Tucholsky-Bühne intensiv für ihre neueste Produktion: "Mein Freund Harvey", eine Komödie von Mary Chase.

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Ein einzelner Scheinwerfer ergießt ein hartes Schlaglicht quer über die Bühne und taucht den Rest ins Dunkel. Die Lichtsteueranlage ist noch nicht da. Links und rechts von der Bühne stehen die Skelette zweier Zimmer, auf der Hauptbühne schon einige Requisiten. Einige Darsteller proben schon, noch sehr unterschiedlich textsicher. Gänge sind noch unklar. Man verdeckt dem Publikum die Sicht auf das eigene Gesicht oder das des Mitspielers. Handlungen geschehen scheinbar aus dem Nichts heraus und wirken unmotiviert oder werden ganz vergessen.

Wer Theaterarbeit kennt, weiß um diese Situation. Zudem scheint dies einer jener Probenabende zu sein, an denen man sich nicht wohlfühlt mit sich und seiner Arbeit. Der Premierentermin rückt näher. Und nun ist auch noch "die Presse" da; Fotos werden gemacht, Film- und Tonaufnahmen.

Leiter Eduard Schynol, sonst die Ruhe selbst, wirkt heute ein wenig ungemütlich. Ungewöhnlich oft springt er auf, läuft auf die Bühne und schiebt sogar einige Akteure hin und her. "Warum stellst du jetzt das Telefon weg? Du willst den Tisch decken, damit etwas zu essen auf den Tisch kommt. Du hast Hunger und da stört das", erklärt Schynol den Grund für die geforderte Aktion.

Elwood P. Dowd, ein wohlhabender Privatier, hat sich nun doch entschlossen, sich wegen seiner Hasen-Visionen psychiatrisch behandeln zu lassen. Auf der Tucholsky-Bühne agieren neue und bereits bekannte Darsteller gemeinsam (v. l.): Enno Fecht, Willi Südmeier, Anne Möller Thiel, Rainer Nentwig, Stefan Diekmann und Felix Bornemeier. | Foto: Ralf Kapries

Schauspieler stehen sich gegenseitig im Weg, landen nach einem Gang über die Bühne an der falschen Stelle. Schynol ordnet das Kneuel: "Tritt einen Schritt zurück und lass ihn hier durch. Er muss dort stehen, sonst kann man euch beide nicht sehen."

Trotzdem hat die Geduld bei allen Beteiligten die Oberhand. Man probt ernsthaft und die gemeinsame Arbeit hat längst schon starke soziale Bindungen geschaffen, die den notwendigen Zusammenhalt garantieren. Schon entstehen auf der Bühne interessante Bilder, skizzenhaft noch, aber bis zur Premiere ausbaufähig.

Die Handlung allein verspricht einen Riesenspaß: Der freundliche Elwood P. Dowd ist gesund, hat genug Geld und er hat einen sehr guten Freund - Harvey. Die beiden sind ein Herz und eine Seele, haben gleiche Interessen und doch ist ein Haken an der Sache. Harvey ist nämlich ein Hase und für alle außer für Elwood unsichtbar. Dieser unglückselige Sachverhalt macht es Elwoods Schwester und deren heiratswütiger Tochter nicht gerade einfach, den passenden jungen Mann zu finden.

Es geht in eine psychiatrische Klinik und auch wieder raus. Zwei Ärzte, ein Rechtsanwalt, Krankenpflegerinnen und -pfleger sowie etliche dubiose Gestalten sind dabei. Jede Menge Turbulenzen sind also garantiert.

Die Premiere ist am Freitag, 10. Februar, 20 Uhr, im Ständersaal des Preußen-Museums. Weitere Vorstellungen am 11. (20 Uhr) und 12. Februar (18 Uhr); im März folgen neun weitere. Karten gibt es in der Buchhandlung Bücherwurm, Alte Kirchstr. 21, Tel. 0571/ 2 35 77 und bei Express-Ticketservice, Obermarktstraße 28-30, Tel. 0571/ 8 82 77 oder www.tucholsky-buehne.de. Video auf www.mt-online.de

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Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 03.02.2012 um 22:18:31 Uhr

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