Mittwoch, 23.05.2012
iPad | MT-Blogs | MTMobil | Impressum | Kontakt | Sitemap | Newsletter

03.02.2012
Magische Wagner-Akzente gesetzt
Mindener Verband feiert sein 100-jähriges Bestehen mit einem Konzert der Nordwestdeutschen Philharmonie
VON UDO STEPHAN KÖHNE

Minden (usk). Festkonzerte sind nichts für Liebhaber dramaturgischer Logik. Vielmehr geht es um das große Gefühl: Schließlich soll dem Gefeierten und seinen Gästen etwas vom Glanz dieses Tages vermittelt werden. Genau so ist auch das Konzert, mit dem der Mindener Richard Wagner Verband sein 100-jähriges Bestehen feiert, gestrickt.

Enge Bande zu Bayreuth: Jutta Hering-Winckler (Mitte) konnte zum Festakt anlässlich des 100-jährigen Bestehens Verena Lafferentz-Wagner und Eva Wagner-Pasquier begrüßen.

Zum Jubiläum hat die Nordwestdeutsche Philharmonie (NWD) Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und natürlich Richard Wagner auf die Pulte gelegt. Was Mozart betreffend schon ein wenig verwundert: Denn Wagner war eher ein glühender Verehrer Beethovens. Aber vielleicht hat der Bayreuther doch mehr aus den Opern seines in Salzburg geborenen Kollegen herausgezogen, als er späterhin zugab. Das wiederum spräche dann für diese Werkauswahl. Und dass die Es-Dur-Sinfonie KV 543 einen bedingt festlichen Charakter hat, ist auch nicht zu verleugnen.

Kraftvoll gestaltet Gerard Kim mit der NWD unter der Leitung von Eugene Tzigane "Wotans Abschied und Feuerzauber". MT- | Fotos: Ursula Koch

Schade also, dass Eugene Tzigane mit der trotz kleiner Koordinationsschwierigkeiten sauber musizierenden "Nordwestdeutschen" über das Stück glatt hinweg dirigiert. Mit flottem Schritt in den Ecksätzen, zügig voraneilend im Andante con moto und seltsam unentschlossen durch das Menuett: Dass hier eines der imposantesten Meisterwerke Mozarts erklingt, ist nur stellenweise zu erahnen.

Und warum die Exposition im Schlusssatz wiederholt wird, im Eingangs-Allegro aber auf der Strecke bleibt, ist ebenfalls unverständlich. Aber gängige (wenn auch durch nichts zu begründende) Praxis, die auch von Dirigenten angewandt wird, die auf der Karriereleiter weit höher als Eugene Tzigane geklettert sind.

Wagner macht es da den Beteiligten leichter. Der zweite Konzertteil ist entsprechend hochklassiger, ergreift tiefer und erzeugt in manchen Augenblicken genau jenes "Gänsehaut"-Gefühl, für die Wagners Musik berühmt und zugleich berüchtigt ist. So im Meistersinger-Vorspiel, das Eugene Tzigane mit einem Hang zu schleppenden Tempi angeht, aber ab der Stückmitte - wenn die kontrapunktischen Verschlingungen beginnen - zu wunderbarer Geschlossenheit führt und auch mit einem musikalischen Steigerungsmoment versieht, welches nicht von der dynamischen Entwicklung herrührt, sondern aus dem inneren Erleben dieser Musik heraus entwickelt wird.

NWD kann sich in Sachen Wagner mit Besten messen

"Wotans Abschied und Feuerzauber" aus "Die Walküre" als zweite Geburtstagsgabe des "Meisters" aus Bayreuth lebt dann von der kraftvollen sängerischen Gestaltung durch Gerard Kim. Leicht hat es der gebürtige Koreaner nicht, sich gegen die Orchesterfluten durchzusetzen, aber sein beeindruckendes Material erlaubt ihm trotzdem gestalterische Feinheiten. Und das Orchester setzt magische Akzente in jenen beiden Überleitungen, die die Schlaflegung Brünnhildes und Wotans Abgang musikalisch herzzerreißend schildern. Ebenso eindringlich der Feuerzauber: da zeigt die NWD, wie wenig sie den besten Orchestern der Branche in Sachen Wagner nachsteht.

Der Walkürenritt schließt sich an: Dramaturgische Feingeister könnten monieren, dass hier die Reihenfolge (Finale ist vor den Aktanfang gestellt) nicht stimme, auch dass das tendenziell plumpere Stück auf einen der innigsten Momente der Wagnerschen Musik folgt. Doch weil Eugene Tzigane nobel und ohne vordergründige Aufdringlichkeit spielen lässt, verstummt solcherart Kritik schnell.

Und als die Zugabe (Vorspiel zum dritten Akt "Lohengrin") mit Biss und einem "elan vital", der Wagner wahrscheinlich gefallen hätte, angestimmt wird, ist ohnehin die Stimmung nicht zu bremsen. Jetzt möchte man am liebsten weitermachen, kreuz und quer durch die Musik Wagners stöbern. Doch auch ein Festkonzert hat ein Ende. Ausgiebiger Beifall.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 03.02.2012 um 22:18:24 Uhr

Texte und Fotos aus MT-Online sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Diesen Artikel in Netzwerken veröffentlichen:




´
WEITERE MELDUNGEN AUS ANDEREN RESSORTS
Demnächst

Auch in der französischen Sakralmusik des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Werke, die es zu präsentieren gilt. In der musikalischen Praxis Deutschlands ist sie nicht so bekannt... mehr
Brasilianisches Flair
"Azul" nennt sich das dritte Album der gebürtigen Brasilianerin Bê. Betina Ignacio, die ihre Freunde schon seit Kindesbeinen Bê nennen, führt in ihren Songs das Beste der beiden Welten zusammen... mehr

Chorkonzert auf hohem Niveau
Das Ensemble des MSU ist nach 2006 zum zweiten Mal zu Gast in der Christuskirche. Schon damals hat das Konzert einen überaus nachhaltigen Eindruck bei allen Zuhörern hinterlassen... mehr

Trio "Amabilées" in alter Burg
Die traditionellen Konzerte in den alten Mauern sind längst kein Geheimtipp mehr. Bei Wein und Kaminfeuer besteht, wie in den Vorjahren, die Möglichkeit... mehr

Ein westafrikanisches Musikfeuerwerk
Bielefeld (mt/cpt). Das Welthaus Bielefeld veranstaltet vom 22. Mai bis 7. Juni im Theaterlabor Tor 6 Bielefeld das "19. Weltnacht Festival". Darüber hinaus gibt es noch einige Veranstaltungen bis... mehr




Anzeige

MeinMT Kultur Ticker
MeinMT: Ernst Bayreuther Vernissage
Minden. VielAuftrieb gab es bei der Ausstellungseröffnung zu Ernst Bayreuthers Werk imStändersaal des Preußen-Museums am letzten Samstag. 61 Exponate... mehr


Das Mindener Tageblatt präsentiert
MT präsentiert erneut Kaya Yanar
Minden (mt/cpt). Gute Nachricht für alle, die kein Ticket mehr für den ausverkauften Auftritt von Kaya Yanar am 20. Mai in der Kampa-Halle bekommen... mehr

Musical auf Goethe-Freilichtbühne Porta
Porta Westfalica (mt/cpt). Die "Set Musical Company" gastiert auch 2012 mit der beliebten Musical Night auf der Goethe-Freilichtbühne. Das... mehr


Kino
Schicksal des Planeten steht auf dem Spiel
Doch als Ks Leben und das Schicksal des ganzen Planeten auf dem Spiel stehen, muss Agent J eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen... mehr

Glanz und Gloria mit Alexander Marcus
Alexander Marcus ist auf dem Gipfel des Ruhms angekommen. Allerdings weiß keiner, dass er von seiner neuen Managerin gefügig gemacht wurde mit der... mehr

Plumpe Helden-Schau
Gegner und Verteidiger sind sich meist nur in einer Feststellung einig: Die Computer- oder Konsolenspiele sind eindeutig Fiktion... mehr

Ein Kandidat, der auch den kleinsten Fettnapf findet
Ned ist zu allem Überfluss auch noch über alle Maßen gutmütig und naiv und stolpert von einem Missgeschick zum nächsten. Ein Loser-Typ in den... mehr

Tussis sind hier nicht erwünscht
"Isch asse Mädschen" - das ist sicher eine denkbar schlechte Voraussetzung, fristet man zwei Wochen in einem abgelegenen Mädcheninternat. Doch der... mehr


Buch-Tipps
Von Tante Emma zu "Big Data"
Daten, speziell Kundendaten, sind für die daran interessierte Wirtschaft an jeder Ecke zu bekommen. Oft werden sie ganz freiwillig geliefert von den... mehr

Tod für den Verräter?
In "Ritual der Rache" zeigt Andrea Camilleri wieder sein ganzes Können als Krimiautor. Der Fall ist schön kompliziert, die Lösung denkbar simpel... mehr

Dämon bedroht Lagunenstadt
Rafael und Sofia streifen durch die Stadt und lassen sich verleiten, auch nach der Sperrstunde für Juden auf den Straßen zu sein. Sie wollen den... mehr

Kickende Detektive
Mit Köpfchen, Raffinesse und Reaktionsschnelligkeit legen Die drei ??? Kids auch im Dreifachband "Fußballwunder" den Verbrechern das Handwerk. In ... mehr

Preiswerte Markenware
Auf zur Schnäppchenjagd: Markenware preiswert einkaufen ist die Intention des "Schnäppchenführers 2012/13". In ihm werden auf 700 Seiten Firmen... mehr


Bild des Tages

Bild vom 23.05.2012

22.05.2012

21.05.2012