Aus einer utopischen Idee wird eine bundesweit beachtete Reihe von Inszenierungen
VON UDO STEPHAN KÖHNE
Minden (usk). Am Anfang stand nur eine geflüsterte Idee: "Sagen Sie es nicht weiter", hieß es aus dem Munde der Vorsitzenden Jutta Hering-Winckler, als man mit dem Projekt noch schwanger ging.
Was utopisch schien, wurde mit viel Tatkraft angepackt: Als sich am 28. September 2002 der Vorhang zum "Fliegenden Holländer" in der Inszenierung des Mindeners Holger Müller-Brandes hob, war bundesweites Aufsehen gesichert.
Ein ensembleloses Haus stemmt eine Oper - und dazu noch eine von Richard Wagner, das war der Umstand, der Berichterstatter von nah und fern aufhorchen ließ. Auch dass die Finanzierung durch viele private Spenden zustande kam, stieß auf Bewunderung.
So ermuntert wurden die Pläne bald kühner. Kurz nach der letzten Holländer-Vorstellung stand fest, dass es weitergeht. Für "Tannhäuser" 2005 kam der renommierte britische Regisseur Keith Warner nach Minden: Wieder gab es eine spezielle Schülervorstellung, wieder dirigierte Frank Beermann die "Nordwestdeutsche". Und ausverkauft war ohnehin auch dieses Mal ständig.
2009 stellte der ehemalige Bielefelder Opernschreck John Dew seine eher zahme Inszenierungs-Variante des "Lohengrin" vor: Der bis dahin größte Etat, die zeitlich längste Produktion, der größte logistische Aufwand waren zu bewältigen. Richard Wagner und die Oper - sie waren für Wochen Gesprächsthema auch bei denen, die sich bis dahin wenig für dieses Sujet interessiert hatten.
Jetzt gilt alle Kraft der neuen und größten Herausforderung: "Tristan und Isolde". In jedem Fall: Der Mindener Richard Wagner Verband hat seine 100-jährige Geschichte durch die vier Eigenproduktionen von Wagner-Opern wahrhaft gekrönt.
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