Das Publikum applaudierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit und störte dabei gelegentlich sogar den Fortgang der Handlung. "Nicht bei jedem", rief einst in so einer Situation Heinz Erhard seinem Publikum zu.
Auf dem Spielplan stand "Das Orangenmädchen", Musiktheater von Martin Lingenau, Christina Grundlach und Edith Jeske nach dem gleichnamigen Roman von Jostein Gaarder. In der Titelrolle agiert Carolin Fortenbacher mit großer Präsenz und sympathischer Ausstrahlung, die als gute Sängerin und Schauspielerin die Aufführung trägt. Stefan Sieveking am Klavier und Abendbesetzung Hagen Kuhr am Cello, beide im rechten Bühnenhintergrund zu sehen, sorgen für die gute Umsetzung der romantischen Kompositionen. Harald Weiler führt eine solide Regie.
Lars Peters kleidet seine Darsteller in alltäglichem Gegenwartsstil. Ungewöhnlich ist allein Veronikas quietsch-orangenes Lackmäntelchen. Das Bühnenbild ist schlicht und aussagekräftig. Im Wesentlichen besteht es aus unterschiedlich großen runden Podesten, die in kalten Blau- und Blaugrüntönen gestrichen sind. Sie erinnern sofort an Archimedes "Störe meine Kreise nicht!" und schaffen Inseln der Kommunikation und des Rückzuges.
Platt-romantisches Seifenoperettchen
Wenn es nach Georg (Benjamin Hübner) ginge, sollten es eher Inseln der Einsamkeit sein, denn den Vollpubertierenden nervt die aufdringliche Nähe seiner Mutter, die zwischen Fürsorge und plumper Neugier schwankt. Obs denn schon klappt mit den Mädels? Peinlich! Georg will sein Inneres sortieren: den Verlust seines Vaters, den er jetzt nicht um Rat fragen kann, und das ungewohnte Sich-hingezogen-Fühlen zu einem Mädchen, das er in der Musikschule kennengelernt hat.
Unerwartete Hilfe erfährt er durch einen Brief seines Vaters, den dieser vor zwölf Jahren für ihn hinterlassen hat und in dem er seinem Sohn die Geschichte erzählt, wie er und seine Mutter, das Orangenmädchen, sich kennenlernten. Das bringt das Stück im zweiten Teil auf Trab und führt zum erwarteten Happy End. Schade, dass dieses platt-romantische Seifenoperettchen nicht im Fernsehen gekommen ist - man hätte so schön dazu bügeln und während der Werbung rasch einen Kaffee schlürfen können.