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31.01.2012
Angenehm, voluminös und programmatisch geschlossen
Hochschulchor aus Hannover überzeugt mit Duruflés "Requiem" in St. Marien / Georg Hage als umsichtiger Koordinator
VON CHRISTIAN HELMING

Minden (hel). Das Oeuvre des französischen Komponisten Maurice Duruflé (1902-1986) ist übersichtlich: vier Motetten über gregorianische Themen, ein Requiem, eine Handvoll Orgelwerke: Nur bis zur Opuszahl 14 reicht das Verzeichnis veröffentlichter Werke.

Applaus für alle Beteiligten (v. l. n. r.): Katariina Lukaczewski, Sebastian Brendel, Marie-Sande Papenmeyer, Georg Hage und der Hochschulchor der Hochschule in Hannover. | Foto: C. Helming

Die Motette "Notre Père" (Vater unser) op. 14 und das Requiem op. 9 waren Bestandteil der "Motette in St. Marien". Und lockten erfreulich viele Zuhörer an.

Das Requiem datiert aus dem Jahr 1947. In seiner Werkanlage und Textauswahl wurde es oft mit dem Requiem seines Landsmannes Gabriel Fauré verglichen. Dafür gibt es gute Gründe. Beide verzichten auf die Vertonung der "Dies irae"-Sequenz, beide setzen Bariton und (Mezzo-)Sopran als Solisten ein. Weitere Parallelen ließen sich aufzählen. Dennoch ist Duruflé ein eigenständiges, keineswegs epigonales Meisterwerk gelungen. Der Hochschulchor der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover unter der Leitung von Georg Hage brachte es in der von Orgel begleiteten Fassung zu Gehör. Beim "Pie Jesu" trat noch ein Cello (Fernando Mansilla) hinzu.

Georg Hage war ein umsichtiger Koordinator des musikalischen Geschehens und wusste Solisten und Chor auch über die Distanz hinweg klug mit der Orgel (Katariina Lukaczewski) zu verschmelzen. Dabei ließ er die Musik allein durch sich selbst wirken.

Bariton Sebastian Brendel neigte bei seinen Einsätzen in der Höhe dazu, den Ton etwas stark zu forcieren, was zu einem ausladenden Vibrato führte. Angenehm und voluminös, auch in tiefer Lage, der Mezzosopran von Marie-Sande Papenmeyer im "Pie Jesu".

Der Chor wurde angeführt von den Frauenstimmen, quantitativ und auch qualitativ. Die Männer agierten nach gutem Unisono-Beginn leider nicht immer auf gleich hohem Niveau. Dennoch entstand ein ausgewogenes, homogenes Klangbild, das maßgeblich von Alt und Sopran geprägt wurde, ganz besonders in solistischen Passagen des Chores. Niemals spitz und mit angenehmer, sauberer Höhe der Sopran; warm-timbriert der Alt.

So gelang ein programmatisch sehr geschlossener Abend, in dessen Zentrum eine rund 40-minütige Werkeinheit ohne Unterbrechung stand. Aber auch die Eröffnung mit zwei Sätzen aus der "Missa pro defunctis" von Cristobal de Morales, der dieselben gregorianischen Themen verwendete wie Duruflé, war gut gewählt. Eine weitere Morales-Motette, Duruflés "Vater unser"-Vertonung, ein gemeinsames Lied und Lesungen (Pfarrer Küppers) rundeten die Konzertstunde ab, die vom Publikum mit Applaus bedacht wurde.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 30.01.2012 um 21:15:27 Uhr

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