Karla Haltenwanger und Ilona Kindt musizieren in der Walburga-Kirche / Ausdrucksstarke Interpretationen
Die Qualität der Konzerte in dem kompromisslos schlichten Kirchengebäude, das Ruhe und Geborgenheit vermittelt und zugleich über eine ausgezeichnete Akustik verfügt, hat sich herumgesprochen und sie werden immer besser besucht. Die Musikauswahl ist abwechslungsreich und die gastierenden Ensembles sind durchgehend von gehobener Qualität.
Auch die Namen Haltenwanger und Kindt sind darin nicht unbekannt. Zusammen mit der Geigenspielerin Birgit Erz bilden sie das Boulanger-Trio, das auf klassische und romantische Musik spezialisiert, wohl aber auch für die Interpretation Neuer Musik bekannt ist.
Auch das Konzert der zwei Musikerinnen am Sonntag entsprach dieser Gemengelage. Ludwig van Beethoven, der die Wiener Klassik zur höchsten Blüte führte und der Romantik den Weg bereitete - seine Sonat g-moll op. 5 Nr. 2 eröffnete das Programm mit seinem ausdrucksstarken und eher melancholischen ersten Satz und führte damit streng zur Stille durch die es möglich wird, dem teils lieblichen, teils heftigen Zwiegespräch des zweiten Satzes zu folgen. Diese Spannung löst sich in den tänzerischen Passagen des letzten Satzes, dessen Anforderungen an das Piano Karla Haltenwanger mühelos gerecht wurde.
Mendelssohn-Sonate bietet höchsten Genuss
Weiter auf dem Weg Richtung Moderne führt die Sonate für Violoncello und Klavier d-moll. Mit Prolog, Serenade und Finale ist sie ausdrücklich für das Cello bestimmt und bot daher Ilona Kindt das geeignete Material für ihre ausgezeichnete Interpretation. In der majestätischen Eröffnung fordern die Schwankungen in der Tonalität Aufmerksamkeit. Der mittlere Satz erinnert an spanische Gitarren- und Mandolinenmusik. Mühelos bewältigte Kindt seine Pizzicati. Dramatisch entfaltet der dritte Satz dieses Kolorit weiter zu dramatischer Heftigkeit, die in einen überraschenden Schluss endet.
Ein bisschen zurück in der Musikgeschichte ging es mit Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate D-Dur op. 58, ein beeindruckendes Werk voller emotionaler Höhen und Tiefen. Ilona Kindt stellte sich damit mit Bravour einer der großen Sonaten der Cello-Literatur. Dem kraftvollen etwas elegischen Anfang des Allegro assai vivace folgt eine Fülle kompositorischer Ideen, die fantasiereich zusammengefügt sind, wie etwa das fröhlich wirkende Pizzicato im Allegretto scherzando. Die Cellistin folgte diesem lebhaften Reigen mit großer Intensität bis zum nicht minder kraftvollen Schluss der Komposition. Das Finale ist ebenso lebhaft wie virtuos. Stürmisch eilt die Musik zu einem schwungvollen Thema, dem statt einem zweiten zwei seiner eigenen Varianten ohne eine Stimmungsänderung folgen. Das ergiebigen Thema wird in immer neuen Variationen ausgeführt und dabei gleichsam mit sich selbst konfrontiert.
Diese Darbietung nach der Pause machte schon alleine für sich den Besuch dieses Konzertes zu einem dankenswerten Erlebnis und brachte höchsten musikalischen Genuss.