Kogge-Matinee beschäftigt sich mit Shakespeare / Autorenvereinigung feiert 2013 Jubiläum
Doch zum Vortrag der Literaturwissenschaftlerin Amerikanistin, Prof. Heide Ziegler aus Stuttgart, hatten sich neben den verbliebenen Tagungsteilnehmern nur wenige Zuhörer im Kleinen Theater am Weingarten eingefunden. Dabei hätte dieser Vortrag neben Literaturfreunden auch Theaterfans ansprechen können. Denn Ziegler ging der Frage "wie man aus Wörtern eine Welt macht" anhand von Shakespeares "Hamlet" und "Sommernachtstraum" nach.
Tragödie und Komödie enthalten beide ein "Spiel im Spiel". Shakespeare habe sie gewählt, weil er die Frage selbst thematisiere, erläuterte Ziegler. Er lasse die Schauspieler immer wieder festellen, dass die Bühne eine Welt und die Welt eine Bühne sei. Im "Sommernachtstraum" trage das Spiel im Spiel zur Entwicklung des Stücks allerdings nichts bei. Hier gehe es Shakespeare darum, Konventionen infrage zu stellen und auf der Bühne Klassenunterschiede einzuebnen.
Bei "Hamlet" dagegen sei das Spiel im Spiel zentral, weil aus einer fiktiven vergangenen Welt Hilfe zur Bewältigung der Gegenwart erwachsen solle. Erstaunlich sei, dass Hamlet nach einem Beweis suche, der die Geisterscheinung bestätige. "Die Welt, die er selbst kreiert, erscheint ihm realer, als das Jenseits", analysierte Ziegler.
Auch zur Vorstellung von Neuerscheinungen am Samstag blieben die Kogge-Mitglieder weitgehend unter sich. Neue Gedichtbände gibt es von der in Metz lebenden Rumänin Rodica Dragonescu ("Sag nie wieder") und der Oldenburgerin Charlotte Ueckert ("Dein Haar ist mein Nest"). Uli Rothfuss hat mit "Der Tannenmörder" einen ungewöhnlichen Krimi geschrieben. Ergebnisse einer Zusammenarbeit präsentierten die Französin Brigitte Gyr, von der der Mindener Mark Behrens einige Gedichte für "Sprechen nackt" übersetzt hat, während Malgorzata Plozewska gleich eine Reihe Lyrikbände, auch von Kogge-Kollegen, in drei Sprachen (polnisch, deutsch und englisch) veröffentlicht hat. Bernd Kebelmann stellte mit "Hiddensee mon amour" eine Liebesgeschichte vor und eine Biografie über den aus Kambodscha stammenden Musiker Sonny Thet.
Der Kogge-Vorsitzende Uli Rothfuss freute sich über die große Resonanz der diesjährigen Tagung unter den Autoren, von denen in diesem Jahr 45 angereist waren und damit so viele wie in den vergangenen 20 Jahren nicht. In rund 40 Lesungen in Schulen erreichten sie rund 1200 Schüler. Rothfuss berichtete weiter, dass 2013 und 2014 zwei Jubiläen der Kogge anstehen, 2013 feiert die Autorenverinigung 60 Jahre Wiedergründung in Minden, 2014 besteht sie 90 Jahre. "2013 ist für uns das wichtigere Datum, das wollen wir mit einer größeren Tagung begehen", sagte Rothfuss.