Wie schon in der Anmoderation erwähnt, befanden sich auch unter den Zuhörern die Kogge-Mitglieder weit in der Mehrheit - leider symptomatisch für diese Lesungen. Dabei hätte sich das Kommen durchaus gelohnt, da die Texte durchgehend gut vorgetragen wurden und sich nicht nur in reizvoller Unterschiedlichkeit zeigten, sonder auch als gut verdaulich erwiesen.
Klaus F. Schneider begann mit lyrischen Stimmungsbeschreibungen, die mit in seine Kinderzeit und Familie nahmen, aber auch Buchmesse und Nobelpreis thematisierten. Er malt expressionistisch mit Worten in seinen "Sonntagsgedichten" und Zitate von Benn und Enzensberger weisen auf seine Vorbilder.
Ganz anders Heinz Ratz, der mehrfache Schulabbrecher, Provokateur und Punkmusiker, der zu seinem Konzert damals im BÜZ in der Weser schwimmend Minden erreichte und gelegentlich im Hamburger Hof spielt. In seinem "Bühnenlied" macht er klar, dass er hier Beifall bekommt, für das, was die Leute bei ihm sonst für einen Schaden halten. Er nimmt beschränkte Vertreter des intelligenten Designs aufs Korn und gewinnt schließlich das Duell mit einem Lyrik-Roboter, indem er ihm seine Seele leiht.
Frank Ruprecht, der auch als Illustrator und Zeichner bekannt ist, hat in einem Stoffbeutel sein noch unfertiges Manuskript zum nächsten Buch mitgebracht. Es handelt von einem geheimen Tagebuch Robinson Crusoes, das ausgerechnet der arbeitslose Karl-Heinz Goethe als einziges Erbgut im Nachlass seiner verstorbenen, bis dahin unbekannten Tante findet.
Frederik Vahle, Professor für Germanistik, wurde bekannt für seine Kinderlieder ("Anne Kaffeekanne", "Die Rübe"), für die er 2000 das Bundesverdienstkreuz erhielt. Er liest "Eine kleine Geschichte des Ich", fragt: "Wo kommen die Worte her" und staunt über "Das Wunder", den Menschen. Leider reicht am Ende die Zeit nicht mehr für ein Lied, das er zur mitgebrachten Ukulele singen wollte.