In vielen Haushalten tönten die leichten Melodien vom Frühstück bis zum Abendbrot aus den Röhrenradios mit dem Magischen Auge. Vielleicht ist Fräulein Ninas italienische Großmutter schuld daran, dass sie nun auch hoffnungslos mit diesem Musik-Virus infiziert ist. Auf dem Flur des alten Herrenhauses der Glashütte Gernheim in Ovenstädt präsentierte sie nun die alten Hits und Schnulzen wie "Schöner fremder Mann", "Zwei kleine Italiener", "Marina", "Diana", "Caprifischer" oder "Que Sera" mit viel Energie.
Singen kann sie, stimmlich trifft sie den Schmelz der Wirtschaftswunder-Zeit, kann auch kreischig intonieren und singt auch immer wieder mal schräg. Ob das immer gewollt ist, wird nicht ganz klar. Aber das Motto der Veranstaltung "Richtig geht anders" erlaubt ja fast alles.
Die Großmutter ist ein Dauerthema
Gelegentlich singt sie auch italienisch oder englisch und lässt sich begleiteten dabei von Bass und Gitarre oder Mandoline. Ihre Musiker, meist nennt sie diese Hans und Markus, hat sie erst kurz vor dem Konzert auf einem Rastplatz kennengelernt, wo sie wegen einer Autopanne gestrandet waren und eigentlich arbeiten beide als Hai und Tiger in einem Vergnügungspark. Das Fräulein (so nannte man damals ohne Altersbeschränkung alle unverheirateten Damen), die mit Nachnamen Mühlmann heißt, liebt solche Geschichten.
Locker plaudernd und ausführlich erzählt sie von ihrer Kindheit und Schulzeit in der Dortmunder Nordstadt, ihrer Mutter und deren Schwester, welche Brüder heirateten, ihrer Studienzeit, unerfüllter Liebe und immer wieder von ihrer Großmutter.
Das alles wirkt spontan, unstrukturiert und amüsiert sie auch selbst, ebenso wie ihre ständig rutschende rote Strumpfhose, die sie immer wieder hochziehen muss. Das Publikum lässt sich gern so unterhalten, applaudiert kräftig, singt und klatscht gelegentlich mit und lässt das schräge Fräulein Nina nicht ohne Zugaben gehen. Nach dem Konzert verkauft diese noch selbst gebastelte Wundertüten.