Madrigalchor Minden singt Carl Heinrich Grauns Passionskantate "Der Tod Jesu" in St. Walburga
Noch im 19. Jahrhundert wurde dieses Werk von 1755 viel gespielt, ehe die Wiederentdeckung der Bachschen Passionen die Gewichtung in jene Richtung verschob, die bis heute anhält. Unter der Leitung von Rainer Winkel nahmen sich der Madrigalchor Minden, sieben Instrumentalisten (Violinen, Viola, Cello, Kontrabass, Fagott und Orgel) und die beiden Vokalsolisten Dorothea Winkel (Sopran) und Johannes-Christoph Happel (Bass) erfolgreich dieser Wiederentdeckung an.
Johannes-Christoph Happel (links) und Dorothea Winkel sangen unter der Leitung von Rainer Winkel die Solopartien.
Winkel reduzierte das Werk auf zwei Solisten, indem er ein Sopran-Duett strich und zwei Tenor-Stücke dem Sopran übertrug. Diese Einsparung zweier weiterer Solisten, die nur dreimal zum Einsatz gekommen wären, erscheint legitim, wenn sie zur Verbreitung des Werkes beiträgt. Die schlanke instrumentale Besetzung bürgte für authentische, barocke Spielweise.
Mit 26 Sängerinnen und Sängern präsentierte sich der Madrigalchor Minden im Vergleich zum Orchester recht groß besetzt, das dynamische Gleichgewicht zwischen Sängern und Instrumenten wurde aber gut getroffen. Lediglich das Verhältnis von 18 Frauen- zu acht Männerstimmen ging zu Lasten letzterer, die akustisch ins Hintertreffen gerieten. Dennoch bestachen Bässe und Tenöre mit einheitlichem Klang, den die Tenöre auch in hoher Lage nicht verloren, in der weiterhin sauber intoniert wurde.
Insgesamt zeigte sich der Chor dem Werk vollauf gewappnet, wenn es auch manches Mal zu sachlich-nüchtern zuging. Da hätte sich etwas mehr Emphase in der Ausgestaltung des Oratorien-Textes denken lassen. So blieb es den beiden Solisten vorbehalten, die dramatischen Glanzpunkte zu setzen.
Johannes Happel präsentierte sich als versierter Barock-Sänger, der den Text klug auszugestalten wusste. Den stärksten vokalen Glanz versprühte Dorothea Winkel, die mit ihrem warm timbrierten Sopran, der auch in der Höhe und im Forte nie scharf oder spitz klang, die exakte Balance aus schlanker Tongebung und dezentem Vibrato fand.
Insgesamt eine erfreuliche Wiederentdeckung, die in kleiner Besetzung große Wirkung entfaltete. So sah es auch das Publikum in der sehr gut besuchten Kirche St. Walburga, das mit lang anhaltendem Applaus dankte.
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