Damit gehört Minden zu den nur noch etwa 35 Städten in der Bundesrepublik Deutschland, in denen es noch eine funktionsfähige Gasbeleuchtung gibt. Die Rede ist jedoch nicht von den blank geputzten Gassen der oberen Altstadt, sondern von einem Quartier, auf das der Normalbürger eher naserümpfend herab schaut: Die Laxburg.
Dabei war gerade dieses Quartier für Minden in der Neuzeit wichtiger als dereinst Preußens Gloria. Denn mit dem Anschluss des Bahnhofs an die Cöln-Mindener Eisenbahn und ihrer Eröffnung am 15. Oktober 1847 entstand rund um den Bahnhof ein neuer Stadtteil, von dem aus eine rasche Industrialisierung Mindens einsetzte. Der Mindener Bauunternehmer Franz Lax ließ einen ganzen Block von damals sehr fortschrittlichen Mietshäusern mit großzügigem Wohnungszuschnitt und fließendem Wasser und Abwasserkanälen errichten, die zum Vorbild weiterer Bauvorhaben entlang der Cöln-Minden-Linie wurde.
In dieser sogenannten "Laxburg" wurde es in den Mindener Straßen nachts erstmals richtig hell: Die ebenfalls neue Gasbeleuchtung verbreitete ihr gleichmäßiges, helles Licht. Die neun Leuchten sind so geschickt verteilt, dass alle Straßen und -kreuzungen nachts durchgehend hell erleuchtet sind. Diese zum ersten Mal in Minden errichteten Gaslaternen stehen heute unter Denkmalschutz und sind die letzten Zeugnisse dieser Zeit.
Mangels Wartung und wegen fehlender Ersatzteile ist dieses Kulturgut immer mehr verkommen, seit vor etwa 16 Jahren die Straßenlampen in Minden elektrifiziert wurden. Aus technischen und rechtlichen Gründen wurde die Laxburg von der Umrüstung verschont, jedoch gingen langsam die Lichter aus. Glühstrümpfe wurden nicht mehr gewechselt, Spinnennester nicht mehr entfernt, die Lampengläser nicht mehr gereinigt. Die dadurch entstehenden düsteren Ecken wurden dem Sicherheitsbedürftnis der Einwohner nicht mehr gerecht. Insbesondere die vor sich hinrottende Lampe am Eingang zur Kaiserstraße, aber auch das Dämmerlicht entlang der düsteren Straße Laxburg von der Friedrich-Wilhelm-Straße aus gesehen, vertieften den Eindruck eines unschönen Entree in ein vernachlässigtes Viertel.
Sachkundige Hilfe aus Düsseldorf
Durch die Zusammenarbeit von Gasversorger Eon, der Städtischen Betriebe Minden (SBM) und vor allem mit der tatkräftigen und sachkundigen Hilfe des Gaslicht-Restaurators Andreas Meßollen aus Düsseldorf, der die dringend reparatur- und pflegebedürftigen Leuchten aus der Laxburg in seiner Freizeit liebevoll restauriert hat, ist es möglich, dass die Veteranen heute wieder ihren Dienst tun wie vor anderthalb Jahrhunderten.
Das wegen seines besonderen Spektrums als "Wohlfühllicht" bekannte Gaslicht lenkt die Blicke auf ein ursprüngliches Industrieviertel und erhöht seinen Wert. Ein erster Schritt zur Belebung eines einstmals attraktiven Viertels in exponierter Lage ist damit getan. Über das, was bisher in der Laxburg getan wurde und über die weitere Entwicklung informiert seit Neuestem die Internetseite [
www.laxburg.de], die auch einen Newsletter anbietet.
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