Aus Leipzig hatte Mitschke seinen achtköpfigen Frauenchor "enchore" mitgebracht, im Notengepäck Romantisches aus dem 19. Jahrhundert und Jazzinspiriertes der Gegenwart. Bereits das erste Werk, "Salve Regina" von Javier Busto (geb. 1949) ließ aufhorchen. Der Chor sang im Kirchenraum verteilt, vom Mitschke aus dem Mittelgang mit sparsamer, aber ungemein präziser Geste dirigiert. Trotz der Weite des Raumes erlebte man ein sehr exaktes Musizieren, die Distanz zwischen Chorleiter und Chor bereitete nie Probleme, trotz oder gerade wegen des sehr zurückgenommenen Dirigats, das den Chor zu höchster Aufmerksamkeit zwang.
Auch in den nächsten Stücken konnte sich "enchore" durch homogenen Chorklang auszeichnen, in dem sich die Stimmen perfekt mischten. Unisono-Passagen wurden wie mit einer Stimme gesungen, wie im "Ave Maria" von Franz Biebl (1906-2001). "Veni Domine" und "Laudate Pueri" aus den "Drei Stücken für Frauenchor" op. 39 von Mendelssohn begleitete Mitschke an der Orgel. Die Befürchtung, das kleine Ensemble könnte aufgrund der großen Distanz zum Publikum - man hatte sich auf den Stufen zum Altarraum positioniert - sich akustisch gegenüber der Orgel nicht durchsetzen können, bewahrheitete sich nicht. Kraftvoll hielten die jungen Damen dagegen. Dennoch hätte man sich insgesamt eine größere Nähe zum Publikum gewünscht.
Schwungvoll jazzige Klänge und ein Spiritual
Leider nicht ganz auf dem gleichen Niveau bewegten sich die vier Stücke aus den "Romanzen für Frauenchor" von Robert Schumann. "Das verlassene Mägdlein" erklang seltsam Unterstimmen betont und im Folgenden wirkten die Sopranspitzentöne nur angerissen und manche Endsilben verschluckt und nicht richtig ausgesungen.
Das waren aber nur Nuancen in einer sonst anspruchsvollen Darbietung, die mit der "Little Jazz Mass" von Bob Chilcott, einigen vielleicht als ehemaliges Mitglied der "King´s Singers" bekannt und heute als Komponist und Arrangeur tätig, ihre schwungvolle Fortsetzung fand. Mit fetzigen Jazzriffs am Klavier begleitete Mitschke den Gesang, der sich jeweils aus einem einstimmigen Motiv ins Mehrstimmige auffächerte. "Joshua fit the battle of Jericho" mit solistischen Einwürfen gelang im Spiritual-Duktus.
Auch diese Veranstaltung der von seinem Vorgänger Manuel Doormann ins Leben gerufenen Reihe nahm wieder die erfreulich kontemplativen Züge eines musikalischen Gottesdienstes an. Dazu trugen auch die Lesungen von Pfarrer Küppers, die Disziplin des nur am Ende applaudierenden Publikums und nicht zuletzt die jungen Künstler bei, die mit dem Kanon "Dona nobis pacem" das stimmstarke Auditorium zum Mitmachen motivieren konnten.
Ein "Festival Sanctus" und als Zugabe das Engelterzett "Hebe deine Augen auf" aus Mendelssohns "Elias" beendeten das Konzert. Mit einem lang anhaltenden, warmherzigen Applaus dankte das Publikum den Ausführenden.
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