Nur, dass das Live-Hörspiel "Wenn Töne töten" Samstag im Stadttheater den krönenden Abschluss der Aufzeichnung von "Schlag auf Schlag" für die "Unterhaltung am Wochenende" auf WDR 5 bildete - nicht nur, weil die makabre Handlung auf einem Schloss namens Haddenhausen angesiedelt war.
Kommenden Samstag strahlt WDR 5 von 16.05 Uhr an die in Minden aufgezeichnete Sendung aus - sodass nicht nur das Publikum im voll besetzten Stadttheater diese Rezension mit der eigenen Wahrnehmung vergleichen kann. Ungleich mehr Zuhörer können sich nachträglich in Sendung und Stadttheater hinein versetzen, als der Saal je hätte aufnehmen können. Kurz: "Schlag auf Schlag", auch wenn man sich nach knapp zweieinhalb Stunden Aufzeichnung fragte, was vom Gesehenen aus dem Mitschnitt herausgesäbelt werden muss, um dem Zeitrahmen der Sendung gerecht zu werden.
Denn erfreulicherweise erwies sich die Zusammenstellung von Künstlern und Beiträgen als rundum stimmig. Dafür sorgte das bewährte Schlag-auf-Schlag-Team aus Moderator Axel Naumer, Thomas C. Breuer, Maria Grund-Scholer, Jean-Michel Räber, Nina Wurman und Jochen Malmsheimer samt der Schlag-auf-Schlag-Band. Schon dafür hätte sich wohl ein Großteil der Zuschauer zur Tonhallenstraße begeben.
Publikum gibt den Gefangenenchor
Doch auch die Gäste lohnten den Weg: Das fulminant spielende Salonorchester Münster und ein nicht weniger schwungvoll drauflos plaudernder Hellmuth Karasek, dem in den Talk-Sequenzen mit Axel Naumer selbst dann Antworten einfielen, wenn gar keine Frage vorausgegangen war - was weder Axel Naumer noch das Publikum störte.
Der "Stargast" Karasek war zuvor von Maria Grund-Scholer mit österreichischem Akzent als Krisenkorrespondentin Aurora Pathos so hektisch wie kenntnisfrei vorgestellt worden - nicht weniger vergnüglich als Grund-Scholers übrige Rollen, bei denen natürlich auch "Frau Dr. Merkel" ebenso wenig fehlte wie die stimmlich zwischen Inge Meysel und Tana Schanzara changierende Mutter des Privatdetektivs Harry Stahl - dessen genervte Lässigkeit Jean Michel Räber gewohnt cool verkörperte.
Jochen Malmsheimer erwies sich erwartbar und doch aufs Neue begeisternd als Stimmen- und Geräuschvirtuose - ganz gleich ob im Werbespot für einen Film über das "Wunder von Chi-le!-le-le!", ob als Rezitator aus den "Buddenbrooks" oder als effeminierter Graf im Live-Hörspiel. Eher polit-kabrettistische Akzente hatte zuvor Thoams C. Breuer gesetzt - nicht nur, aber auch zum Thema "Stuttgart 21". "Wo kommt eher ein Baustopp? In Stuttgart oder im Westjordanland?", fragte der Kabarettist, der kundtat, dank Herrn Mappus, wisse man erst, was man an Günter Oettinger gehabt habe...
Zurück zu Karasek. Der griff die Verdrehungen seines Namens durch "Frau Pathos" umgehend auf und entwickelte sie weiter: "... von Karasek zu Karadzic - nur Handke wüsste das zu schätzen". Auch Karasek wurde schließlich in die Handlung des Livehörspiels einbezogen, für das Nina Wurman geradezu umwerfend die Geräuschkulisse bereitstellte - vom kläffenden Detektivdackel bis zur knirschenden Tür und zum schweigenden aber wirksamen Stichwortgeber für das als Beifallspender und vor allem als Gefangenenchor aus "Nabucco" ins Hörspiel einbezogene Theaterpublikum. Vielleicht hört sich der eine oder die andere kommenden Samstag am Radio heraus.
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