Bernd Gieseking über sein Theaterstück "Die Farbe des Wassers" / Uraufführung am 23. Oktober im Stadttheater
Es ist das mittlerweile fünfte Theaterstück, wenn man ein Opernlibretto mitzählt, aus der Feder des Kutenhauser Kabarettisten. Zum Mindener Stadtjubiläum 1998 hatte er das Hörstück "Im Eis" verfasst, das von der Arktisreise des in Minden geborenen Wissenschaftlers im Jahr 1883 handelt. Angeregt durch Theaterleiter Bertram Schulte habe er damals zuerst vorgehabt, ein Theaterstück darüber zu schreiben, erzählt Gieseking am Telefon. Doch dann hatte er in Philadelphia und in Montreal die Originaltagebücher des Forschers und seines Dieners Wilhelm Weike in Händen gehalten und sei davon so beeindruckt gewesen, dass er beide ganz unverfälscht zu Wort kommen lassen wollte. So entstand "Im Eis" als eine Collage aus Original-Zitaten.
Für die "Farbe des Wassers" hat sich der in Dortmund lebende Autor nun wieder davon gelöst und die Reise, das Verhältnis zwischen Diener und Herr sowie die Begegnung mit den Inuit "emotional beschrieben, ohne dabei die Geschichte zu verfälschen". So sei beispielsweise der Abschied Franz Boas' von Marie, über den einfach nichts überliefert sei (erste Liebe). Auch spekuliere er im Stück darüber, warum Wilhelm Weike mit in die Arktis gefahren ist. "Ich glaube, dass der Vater von Franz Boas das veranlasst hat." Für Boas wäre die Reise ohne einen so patenten Kerl wie Weike schwieriger gewesen, mutmaßt der Autor.
Gieseking war selbst nach Baffinland gereist
Wichtig sei für ihn gewesen, dass Franz Boas als erster Wissenschaftler erkannt habe, dass die Kultur der Inuit der unseren gleichzustellen ist. Trotz dieser für die damalige Zeit revolutionären Erkenntnis bleibe Boas aber gegenüber Weike im ständischen Denken gefangen. Gemeinsam unternehmen sie eine Wanderung in der Arktis, bei der sie beinahe sterben (Abenteuer). Weike wiederum verliebt sich in eine Inuit (zweite Liebe), über die Gieseking die unterschiedlichen Gefühlswelten darstellt. Zum Ende des Stückes gerät Weike in Zweifel darüber, ob er die Heimreise antreten will. In einer Art Epilog lässt Gieseking die Handlung um etliche Jahre springen. Die letzte Szene zeigt, wie Marie und Franz Boas in Amerika die Nachricht vom Tod Wilhelm Weikes erhalten. So verbindet Gieseking in seinem Theaterstück mehrere Ebenen miteinander. "Der Subtext des Stückes handelt für mich vom Kulturverlust einer First Nation", sagt der Autor.
Gieseking selbst hat die Arktis bereist, war auf Baffinland an den Orten, die auch Boas besucht hatte. Er hat im Cumberland-Sund auf einer Eisscholle gestanden, einen Wal gesichtet. "Die Weite der Landschaft war beeindruckend und inspirierend", sagt Gieseking, auch wenn er seine Reise-Eindrücke nicht direkt habe verwenden können. "Diese Reise war einfach ein Geschenk, das ich mir selber gemacht habe."
Noch hat er von den Proben seines Theaterstücks nichts gesehen. "Ich möchte den Schauspielern erst einmal Gelegenheit geben das Stück zusammen mit dem Regisseur zu erarbeiten", sagt der Autor. Allerdings berichte ihm Regisseur Holger Müller-Brandes regelmäßig vom Fortgang der Arbeit. "Das Bühnenbild von Hans-Peter Korth habe ich als Modell gesehen. Das finde ich ganz fantastisch. Mir scheint das alles auf einem guten Wege."
"Die Farbe des Wassers" wird am 23. Oktober um 20 Uhr im Stadttheater Minden uraufgeführt; Karten bei Express-Tickets; ein weiterer Artikel über Franz Boas erscheint am 14. Oktober im Lokalteil; am heutigen Dienstag tritt Gieseking zusammen mit Gerlis Zillgens um 20 Uhr im Stadttheater mit dem Programm "Hosen runter" auf (Karten an der Abendkasse)
stehenden Code hier ein*: