Joseph Haydns zweistündige "Schöpfung" kam mit natürlicher Präsenz bei den Zuhörern an, gewissermaßen ungefiltert und ohne den sonst in Kirchen musikalisch alles zerstörenden Nachhall. Dass diese Direktheit umgekehrt einen Preis hat, sei nicht verschwiegen: Wenn die Streicher des Orchesters "La Rejouissance" in der Einleitung kräftig daneben spielen, ist das eben auch unüberhörbar.
Nicht zu verbergen auch, dass die Anforderungen von Haydns großartigem Oratorium eine Grenzerfahrung für den Kammerchor Porta Westfalica bleiben. Da ist vieles hart und erfolgreich erkämpft, was durchaus Respekt abnötigt. Anderes geht jedoch daneben: Die Intonation häufiger, manchmal das rhythmische Empfinden. Klanglich ist eine bestimmte Frische da: Bemerkenswert!
Überhaupt ist der Wille, Großes zu vollbringen, stark; wenn am Ende alle Stimmen "dem Herrn" singen, dann stellt sich in der von Georg Kindt energisch dirigierten und mit feurigen Tempi beflügelten Aufführung ein Haydn-Glücksmoment ein.
Zu dem die für eine Aufführung der "Schöpfung" extrem wichtigen drei Solisten einiges an Positivem beitragen: Etwa Esther Hilsberg als Sopranistin mit angenehm timbrierter und wendiger Stimme; oder Urs Winter, der mit stählern-robuster Tenorstimme für Sicherheit sorgt, und Matthias Nenner, der allerdings beizeiten mit den Tiefen der Partie kämpft.
Passabel aber kein Glücksfall das Orchester "La Rejouissance": Insgesamt hat es Mühe mit Joseph Haydns Partitur, musiziert dazu an manchem Charakteristikum einfach vorbei. Der Pauker aber nutzt die Gunst der Stunde: So eindringlich hört man diese Partie selten. So weit so gut. Warum allerdings die Secco-Rezitative vom Orchester (und nicht von Hammerklavier, notfalls auch Cembalo) gespielt werden, bleibt im Dunkeln. Letzter Schrei der Forschung oder Notlösung?
Am Ende ist auch dieses Kuriosum vergessen: Haydns spätes Meisterwerk hat seine Größe aufs Neue bewiesen. Dankbarer und ausführlicher Beifall des Publikums.
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