Beleuchtung in der Laxburg wird durch Privatinitiative restauriert / Keine elektrischen Leitungen im Bürgersteig
Der Düsseldorfer Meßollen ist der deutsche Experte für Gaslicht und bundesweit mit der Restaurierung von Leuchten an Straßen und Plätzen beschäftigt, die mangels Pflege verfallen oder elektrifiziert worden sind. In Minden gilt sein Augenmerk der Laxburg, denn nur noch hier erfüllen, so weit sie es momentan können, neun Gaslampen ihre Funktion.
Allgemein wurden die Gasleuchten in Minden vor etwa 16 Jahren durch E-Licht ersetzt. Nur in der Laxburg blieben sie erhalten, weil dort bis heute keine elektrischen Leitungen in den Bürgersteigen liegen. Anders als in der restlichen Stadt, gehören hier die Straßen nur teilweise der Stadt; Eigentümer sind zum überwiegenden Teil die Anwohner.
Meßollen: Gaslicht macht glücklich
Dass Meßollen hier zwischen dem 13. und 15. Juli drei weitere restaurierte Gasleuchten in der Laxburg austauscht - eine steht bereits frisch restauriert am Wasserturm - ist wesentlich dem Portaner Rüdiger Döring zu verdanken. Er ist in Hildesheim mit dem Gaslicht in den Straßen aufgewachsen und hat es immer vermisst. Auf der Suche nach einer stilvollen Beleuchtung seiner Terrasse suchte und fand er eine Gasleuchte, stellte sie in seinem Garten auf und rüstete sie mit einer elektrischen Glühbirne aus. "Aber das war irgendwie nicht richtig, eben kein Gaslicht", bemerkt Döring. Er vermisste den Wohlfühleffekt, der sonst von den Lampen ausgeht. Seine Leidenschaft hatte inzwischen seinen Blick geschärft und so "entdeckte" er die marode Gasbeleuchtung in der Laxburg.
Auch die Stadt hatte bereits beim Verein "Pro Gaslicht" und der Initiative "Düsseldorf-Gaslicht" - in beiden ist Andreas Meßollen aktiv - um Hilfe nachgesucht und der hauptberufliche Polizist half in beiden Fällen gern. Es weiß auch, woran es bei der elektrischen Beleuchtung oft hapert. "Gaslicht macht glücklich", erklärt er. Davon sei er nicht nur seit der Erneuerung der Gasbeleuchtung auf dem Marktplatz von Neuss überzeugt. Zuvor drohte der Platz zu verwahrlosen, die Gastronomie war am Rande ihrer Existenz. "Gelbliches Natrumdampflicht ist zwar preisgünstig, lässt aber die Menschen blass und krank aussehen. Das Bier sieht nicht aus wie Bier und schmeckt darum nicht; man bestellt kein zweites, sondern geht. Und das Steak oder Schnitzel schmeckt auch nicht, wenn es aussieht, als käme es gerade aus der Mülltonne."
Nachdem die Beleuchtung restauriert wurde, ist der Platz innerhalb kürzester Zeit wieder aufgeblüht. "Das liegt an dem breiten Frequenzspektrum der Lampen. Ihr warmes Licht macht sie, wie die Kerze, zum Hingucker. Mitmenschen sehen wieder gut aus. Bier und Schnitzel schmecken wieder." Und auch Görings Augen leuchten glücklich, als Meßollen die Glühstrümpfe in seine Gartenleuchte eindreht und abflämmt. Zunächst rauchen sie noch ein wenig, dann entwickeln die fragilen Auerlichter langsam ihr typisches Licht.
Gegenüber Preußens Gloria werden andere Epochen der Mindener Stadtgeschichte gern übersehen. Nachdem 1847 die Cöln-Mindener-Eisenbahn in Betrieb genommen worden, die Industrialisierung wegen seines Festungscharakters aber an Minden vorübergegangen war, bebaute die sehr fortschrittliche Familie des Kaufmanns Franz Lax, in der Neustadt das Gelände westlich des Bahnhofs. Mit der sogenannten "Laxburg" entstand ein seinerzeit hochmodernes Stadtquartier mit Gaslaternen und Fließendwasserversorgung.
Ein Stück Mindener Industriegeschichte
Das Gaslicht signalisiert immer noch ein Stück Mindener Industriegeschichte. "Die Lampe benötigen wenig Wartung", erklärt Meßollen. "Ich habe schon Interessenten gefunden, die sich künftig darum kümmern werden, dass die Lampen in der Laxburg das bisschen Pflege bekommen, das sie benötigen."
Im Übrigen sei er davon überzeugt, dass wir Gaslicht auch in Zukunft brauchen. Die robuste Technik ermöglicht den Betrieb mit fast jedem, auch mit verunreinigtem Gas. "Statt etwa Biogas umständlich in Strom zu wandeln und dann für elektrische Straßenbeleuchtung zu verwenden, wobei zwei Drittel der eingesetzten Primärenergie verloren gehen, kann man es bei Gaslampen gleich als Primärenergie einsetzen." Damit verweist Meßollen auf den hohen Wirkungsgrad der seit 1785 bekannten Technik Johannes Petrus Minckeleers, deren Lichtausbeute durch den 1855 von Carl Auer von Welsbach erfundenen Glühstrumpf (dem so genannten "Auerlicht") auf den heutigen Stand gebracht wurde.