Technisch perfekt und mit Leidenschaft vorgetragen / Eine weitere Perle auf der Kette von "fermata musica"
Beide sind Mitglieder des Boulanger-Trios, das hier bereits einen guten Namen hat. Sie interpretierte Werke von Mozart, Glière, Halvorsen und Ravel.
Mozart an den Anfang eines Konzertprogramms zu stellen, ist immer eine gute Sache. Von den meisten Zuhörern akzeptiert und gefällig dargeboten, öffnet er die Aufnahmebereitschaft. Von manchen Musikern wird er daher als "Aufwärmstück" verstanden und entsprechend vorgetragen. Nicht jedoch bei Birgit Erz und Ilona Kind. Sie waren von Anfang an voll bei der Sache mit dem dreisätzigen Duo G-Dur KV 423. Technisch perfekt und mit musikalischer Leidenschaft vorgetragen, setzten sie gleich die Markpunkte für einen hohen Standard.
Während Mozarts Komposition eher leicht und munter erscheint, stimmten die Musikerinnen mit vier der acht Stücke (Huit Morceaux) von Reinhold Glière nun fremder und dunkler. Dem anmutigen Vorspiel (Prélude) folgte die Berceuse, ihrer Anlage (Wiegenlied) nach als zartes Cantabile mit gedämpfter Violine sehr liebevoll vorgetragen. Sehr verspielt und munter folgte die Canzonetta, musikalisch wieder ein wenig in ihre Schranken verwiesen durch die strenge Schrittfolge der Gavotte, mit gelegentlich fast bordunartigen Klängen des Cello.
Sehr interessant und abwechslungsreich erklang die Passacaglia über ein Thema von Georg Friedrich Händel. Johann Halvorsen präsentiert ihn einmal so gar nicht barock. Etwas in den Hintergrund gesetzt doziert der alte Meister, während Halvorsen mehr als 100 Jahre später die bekannten Motive in seine eigenen musikalische Welt einspinnt. Händels Kompositionen, die oft einen langsam schreitenden Rhythmus haben, werden durch Halvorsen gleichsam der strengen Schrittfolge der "neuen Zeit" unterworfen. Für die beiden Musikerinnen bot sich hier die reizvolle Chance zu einem interessanten Wechselspiel ihrer beider Instrumente mit der Verwendung verschiedenster Spieltechniken bis hin zum Flageolett.
Wie ein Schwarm aufgescheuchter Vögel beginnt das Allegro der Sonate für Violine und Violoncello von Maurice Ravel. Dem ohnehin schon munteren Satz folgt ausgelassen heiter das "Très Vif". Dem fast ausufernden musikalischem Treiben, bei dem das Duo beinahe orchestrale Züge zeigte, gebietet das Lento Einhalt, ein wunderschöner Satz, der mit einem Solo für das Cello beginnt und in dem das von gemeinsamen musikalischen Vorstellungen beseelte Ensemble eine anmutige Eintracht demonstrierte. Doch kaum war dies geschehen, brach die musikalische Leidenschaft im vierten Satz (Vif, avec entrain) um so bewegter hervor.
Das Publikum war sehr bewegt und applaudierte erfreut. Erz und Kindt dankten mit einer Zugabe, in der sie nochmals die Berceuse von Glière intonierten.
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