Wenn Bauchredner und Conférencier Jan Mattheis mit dem Skunk Gottfried Grube und dessen nie auf der Bühne präsenten Schwester Claire Grube (gemerkt?) oder mit der schrulligen Varietédame mit trockenem Humor für feuchte Augen im Publikum sorgt, mit vertrackten Tricks die Zuschauer verzaubert, dann ist das klassische Varieté lebendiger denn je. Und so hat Regisseur Ulrich Thon, der auch das Rilke-Projekt auf die Theaterbühnen brachte, das richtige Gespür gehabt, als er das neue GOP-Programm zusammenstellte.
Zwischen wummernden Bässen und absoluter Stille agieren die Künstler, alle Meister ihres Faches und vielfache Preisträger bei internationalen Festivals. So die Boytsovs aus Moskau, die den sogenannten russischen Barren, jenes zehn Zentimeter breite Federbrett, neu erfunden haben. Der 41-jährige Igor Boytsov bietet waghalsige Salti, das Springseil dabei nicht vergessend.
Die Franzosen Anne de Buck und Mikis Minier-Matsakis dagegen überzeugen in der ganz leisen Inszenierung einer kleinen Liebesgeschichte mit Handstandakrobatik, Equilibristik und Hand-auf-Hand-Techniken, die wenig später die Finninnen Lotta Paavilainen und Stina Maria Kopre mit ihrer Rola-Rola-Partnerakrobatik auf ihre ganz eigene Weise noch weiter perfektioniert haben. Mit ein wenig Selbstironie und großem Selbstbewusstsein geben sie sich sogar engelhaft, lassen das Publikum lachen und staunen.
Kraftvolle Harmonie und Eleganz - so lässt sich der Auftritt des weißrussischen Duos Gorodji umschreiben. Zoia und Vladimir Gorodji präsentieren einen nahezu schwerelosen Tanz an den Strapaten. Als schwebende Marionette bietet der 44-jährige Akrobat zudem einen Auftritt voller Ästhetik.
Abgelöst werden die leisen Momente vom Temperament der Amerikanerin Shirley Dean, die sich vermutlich als weltweit einzige Frau der "Gentleman-Jonglage" verschrieben hat. Sie lässt die roten Zylinder ebenso fliegen, wie Billardkugeln oder Zigarrenkisten - und das bei einem ungeheuren Tempo. Da kann die Männerwelt nur den Hut ziehen.
Im besten Sinne klassisch auch Gunnar Erik mit seiner komödiantischen Equilibristik. Mit gewichstem Schnauzbart und strengem Scheitel verkörpert er perfekt die Gleichgewichtskünstler, wie sie während der vorletzten Jahrhundertwende auf den Jahrmärkten auftraten. Ein Muskelmann, der Maßstäbe setzt.
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