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05.10.2009
"Raum erzählt sich selbst"
Kultursoziologe fordert mehr poetischen Einfluss auf die Stadtplanung
VON URSULA KOCH

Minden (mt). "Minden ist eine sehr in sich gekehrte Stadt zwischen den Wällen und dem Fluss." Das ist der Eindruck, den der Kultursoziologe Dr. Hans-Peter Meier-Dallach aus der Schweiz während seines dreitägigen Aufenthalts zur Kogge-Tagung gewonnen hat.

Hans-Peter Meier-Dallach zitierte in seinem Vortrag Blaise Cendrars. | MT-Foto: Koch

Er habe sich hier sehr wohl gefühlt, sagt er in der Einleitung seines Vortrags zur Matinee, der sich den "Räumen des Erzählens" widmet. Meier-Dallach bezieht sich dabei auf Pythagoras, der feststellte, dass das Weltall ständig in Schwingung ist. Die Menschen seien allerdings so abgestumpft, dass sie diese Sphärenmusik gar nicht mehr hören würden.

Dass er sie sehr wohl hören könnte, das erläutert der Kultursoziologe anhand eines Erlebnisses in seiner Schweizer Heimat. Auf einer Hochebene, umringt von Bergen, hört er den Glockenklang der Kühe, ohne die Kühe selbst sehen zu können. "Die Glocken vermitteln über das Echo ein Bild dieses Raumes. Um das zu erzählen, braucht es den Menschen gar nicht", so Meier-Dallach.

Bezugspunkt in seinem Vortrag sind Gedichte des französischsprachigen Schweizers Blaise Cendrars, dessen Werk zugleich den Obertitel "Auf der Lokomotive des Fortschritts" vorgibt. Der Bass des Schuleta-Trios (mit Edgar Schumann am Saxofon, Wolfgang Taube am Klavier und Balent Lengyel am Bass), das die Matinee mit jazzigen Klängen umrahmte, ahmt dazu immer wieder das Rattern der Räder nach.

"Quellräume der Inspiration Cendrars sind die Krisen", sagt Meier-Dallach, verweist auf den beginnenden Ersten Weltkrieg und Umwälzungen durch technische Neuerungen, wie etwa Lokomotiven und Flugzeuge.

Cendrars beschreibt Paris als Metropole mit einem einzigartigen Turm und einem großen Rad. In Anlehnung daran beschreibt Meier-Dallach Zürich als "Verhinderung der Hochhäuser durch Moränen" oder Berlin als "Monokultur der Multiplexe". Er stellt die These auf, dass Städte mit ihrer Gestalt die Dichter beeinflussen und plädiert für mehr Einfluss des poetischen Raumes auf den Planungsraum. Der Kultursoziologe wirbt für sein Projekt "Papillon", in dem es darum geht, mit literarischen Mitteln Fragen und Anforderungen für die Stadtplanung zu entwickeln und so deren Sicht wieder zu erweitern.

Ganz erheblich erweitert hat sich auch die Kogge in diesem Jahr, wie der Vorsitzende Uli Rothfuss zum Abschluss bekanntgibt. Nach neun Jahren sei Rumjana Zachariewa aus dem Vorstand ausgeschieden, dafür wurden Brigitte Gyr aus Paris und die Münchnerin Ulrike Ruwisch in den Vorstand gewählt. Als Stellvertreterin wurde Charlotte Ueckert wiedergewählt, ebenso Friedrich Wilhelm Steffen als Geschäftsführer und Burkhard Garbe als Pressesprecher. Zudem hat die Kogge in diesem Jahr neun neue Mitglieder aufgenommen: Den Mindener Mark Behrens, dazu die Österreicher Klaus ebner, Rudolf Kraus, Helmuth Schönauer und Bern Schuchter, Sándor Tatár aus Ungarn, den in Deutschland lebenden gebürtigen Rumänen Traian Pop sowie Friedrich Grotjahn aus Bochum.

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Dokument erstellt am 04.10.2009 um 21:25:09 Uhr

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