Mindens Bürgermeister-Kandidaten stellen im BÜZ ihre Positionen zur Kulturpolitik dar
"Was ist der Politik die Kultur wert?" Mit dieser Frage wandte sich das Mindener Kulturforum (ein Zusammenschluss heimischer Kulturschaffender) an den amtierenden Bürgermeister Michael Buhre (SPD) sowie seine Herausforderer Anke Peithmann (CDU) sowie Peter Düster (Bürger-Bündnis Minden, BBM). Düster allerdings war wegen einer anderen Sitzung verhindert und ließ sich durch seinen Parteifreund Anton Dschida vertreten, der in seinen Antworten auf Fragen mehrfach auf seine Vertreter-Funktion verweisen musste.
Mit einigen kritischen Anmerkungen hatten die Mindener Stichlinge in die Debatte eingestimmt, die vor allem um das Thema Finanzen kreiste und musikalisch von dem jungen Duo Lakomek aufgelockert wurde. Die Diskussion hatte Moderator Ralf Kapries mit der Frage nach der zuletzt besuchten Kulturveranstaltung eingeleitet. Mit der prompten Antwort "Letzte Woche die Premiere von "Eins, Zwei, Drei" der Tucholsky-Bühne und heute, das ist eine Frage der Definition", konnte Buhre punkten. Peithmann erinnert sich lebhaft an ein Wagner-Potpourri vor einigen Monaten in der Mindener Stadthalle und gesteht, dass allzu modernes Theater nicht ihre Sache ist. Dschida erntet einige Lacher, als er die Gourmetmeile anführt - es ist eben alles eine Frage der Definition -, kann sich dann aber auch noch an "Mutter Courage" im vergangenen Sommer bei der Tucholsky-Bühne erinnern. "Ich bin kein Opernfreund, sondern bevorzuge Operette und Kleinkunst", bekennt er.
Ist Kultur Luxus oder notwendiges Lebensmittel? "Kultur ist ein Standortfaktor und von strategischer Relevanz für eine Stadt", betont Buhre. Sie sei zudem ein Mittel für Bildungsgerechtigkeit und dafür brauche sie Räume und Strukturen. "Das dürfen wir nicht den Marktkräften überlassen", fordert der Sozialdemokrat. Peithmann ergänzt, dass die Mischung aus kommunal unterstützten Institutionen und freier Kultur das Salz in der Suppe sei. "Eine Stadt ohne Kultur muss man zuschließen", pflichtet Dschida bei. Er ergänzt allerdings, dass sich Minden künftig keine Leuchtturmprojekte wie das Herforder Marta leisten könne, sondern es darum gehe, Vorhandenes zu erhalten. Er vermisst eine Bürgerstiftung für Kultur. "Das wäre der Rückzug aus der öffentlichen Verantwortung für Kultur", widerspricht Buhre. Die Haushaltslage sei nichts Neues, trotzdem müsse eine Stadt bekennen: "Wir stellen Geld für Kultur zur Verfügung." Hätte er die Ratschläge der anderen Parteien berücksichtigt, "dann hätten wir viele Kultureinrichtungen geschlossen." Darum sei die Ausrichtung auf kulturelle Bildung so wichtig, denn im Gegensatz zur Kultur sei die Bildung eine der kommunalen Pflichtaufgaben. Auf diese Weise bestehe die Möglichkeit, bestehende Strukturen zu sichern.
Forderung nach Raum für Bildende Kunst
Aus dem Publikum kommt viel Rückendeckung für die Politik der vergangenen fünf Jahre. Bei Kindern ansetzen, die kleinen Veranstaltungen stärker fördern, das sind Forderungen der Zuhörer. Cordula Küppers, stellvertretende Schulleiterin am Rats, lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturbüro bei den Community-Dance-Projekten.
Die Frage was fehlt, wird unterschiedlich beantwortet. Dschida fehlt ein Auftrittsort von der Größe der Doppelaula. Aus dem Publikum erhebt sich spontaner Widerspruch. Es fallen gleich mehrere Beispiele, mit dem Nachsatz: "Klar, es gibt nicht alles umsonst." Peithmann registriert, dass in Minden und Bad Oeynhausen niemand erfährt, was in Minden los ist und sieht Nachholbedarf im Marketing.
Hartwig Reinboth, Vorsitzender des Vereins für aktuelle Kunst, moniert, dass es keinen Raum für die Bildende Kunst in Minden gibt und man in dieser Frage in den vergangenen 20 Jahren nicht vorangekommen sei. Ein Mindener Marta kommt für keinen der drei Kandidaten in Frage. Peithmann greift das Herforder Beispiel auf und berichtet, dass die zarten Pflänzchen im Schatten des Leuchtturms leer ausgehen. "Kulturpolitik müssen wir auch regional denken", antwortet Buhre. Eine Ausstellungsfläche fehle tatsächlich, doch dafür müssten die vorhandenen Ressourcen, etwa im Mindener Museum oder im Preußen-Museum, genutzt werden.
Wahlversprechen in Form von konkreten Summen gibt an diesem Abend keiner der Kandidaten.
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