Aktive Radler Minden nahmen neuen Rad-/Gehweg an der K 13 unter die Lupe / Bilanz: Es hakt im Detail
"Im Detail hat es gehakt", sagt Horst Idelberger. Grundsätzlich begrüßten er und seine Mitradler den Neubau, stelle er doch eine Verbesserung insbesondere für die Fußgänger dar. Aber: "Wir verstehen überhaupt nicht, dass im 21. Jahrhundert eine Radverkehrsanlage mit solch erheblichen Mängeln gebaut wird."
So sei der Radweg an sämtlichen Straßeneinmündungen unterbrochen, obwohl die Nutzer in beiden Richtungen vorfahrtsberechtigt seien. "Hier wurden vollkommen unnötige Gefahrenstellen geschaffen", kritisiert Hans-Jürgen Fischer die fehlenden Markierungen, die Autofahrer darauf hinweisen, dass Radfahrer vor ihrer Motorhaube vorbeiflitzen könnten.
Die Aktiven Radler Minden kritisieren die Bauausführung des neuen Rad-/Gehwegs an der K 13 von Holzhausen nach Minderheide: Es fehlen Markierungen auf der einmündenden Straße, die Hecke blockiert die Sicht. Die Regengosse liegt tiefer als Pflasterung und Fahrbahn. Der Bogen ist völlig überflüssig. Der Radweg ist hier nicht breit genug für den Zweirichtungsverkehr (von oben links im Uhrzeigersinn). | Fotos: Hans-Jürgen Fischer/pr
Doch damit nicht genug: Nach Ansicht der Radfahrergruppe sind die Gossen an den Straßeneinmündungen zu tief angelegt und machen damit den Weg für Zweiradfahrer zu einer Holperstrecke.
Die an den Kanten leicht abgeschrägten Pflastersteine hinterließen, meint die Gruppe, bei Radfahrern den Eindruck, über ein Waschbrett zu fahren. Zudem sei Bitumen als Belag angenehmer zu befahren als eine Pflasterung.
An der Einmündung Dannenkamp mache der Rad/Gehweg einen wenn auch eleganten, so doch überflüssigen Bogen. "Wer soll den denn fahren?", fragt sich Hannelore Steinke-Warning. Dort rage zudem der Absenker, ergänzt ihr Ehemann Ortwin Steinke, ein Stück weit in den Radweg. "Hier herrscht Sturzrisiko."
Als weiteren Gefahrenpunkt hat die Gruppe einige Gartenhecken ausgemacht: Sie verhinderten mancherorts die freie Sicht auf Straße und Radweg. So könnten weder Autofahrer noch Radler erkennen, wer von wo nahe.
Als richtiges Ärgernis empfinden sie die Tatsache, dass diejenigen, die beispielsweise aus der Straße Zum Weingarten in Minderheide auf den auf der südlichen Seite der K 13 liegenden Radweg wollen, keine direkte Zufahrt haben. "Der Bordstein des Radwegs wurde nicht abgesenkt", bemängelt Horst Idelberger. Aufgefallen ist den Kritikern auch, dass der Radweg an einigen Stellen nicht breit genug für Begegnungsverkehr ist.
Vorgestern war das Quartett zu Gast bei Landrat Dr. Ralf Niermann, um ihm die Bedenken vorzutragen. Er habe ein offenes Ohr für die Kritik gehabt. Allerdings verhinderte das nicht, dass er von seinen Gästen ein ungewöhnliches Geschenk erhielt, das ihn an die Mängel erinnern soll: Ihm wurde eine künstlerisch gestaltete alte Pedale in die Hand gedrückt. Ähnliches widerfuhr dem Mindener Bürgermeister Michael Buhre mit einer verbogenen Speiche. Lediglich der Hiller Bürgermeister Michael Schweiß ging leer aus - ihn hatten die Aktiven Radler Minden, obwohl auch die Gemeinde Hille in das Bauprojekt eingebunden war, nicht auf der Rechnung.
Hat man den wenigstens in diesem Fall einen Schuldigen für diese "Todeskurve" ausgemacht?
Das Zentralkomitee der Fahrradwegbefreiungsfront Dynamo-Minden