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03.02.2012
Bürgermeister stellt Strafanzeige wegen falscher Facebook-Seite
Anonymer Gegner richtet im Namen von Michael Schweiß Profil ein
VON GISELA BURMESTER

Hille (mt). Manche halten soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. für einen Segen, andere für einen Fluch. Beispielsweise Michael Schweiß, Bürgermeister der Gemeinde Hille.

Ein gefälschtes Facebook-Profil sorgt für Ärger. | Repro: MT

In seinem Namen legte jetzt jemand im Internet auf Facebook eine Seite an – ohne sein Wissen oder seine Erlaubnis. In Beiträgen berichtet er angeblich persönlich über Privates, seinen Arbeitsalltag und seine Einstellung zu Mitarbeitern im Rathaus.
Der echte Michael Schweiß spricht von Verunglimpfung und der Verletzung von Persönlichkeitsrechten, wird ihm doch Alkohol im Dienst, Anmache einer Kollegin und einiges mehr unterstellt. "Ich habe meinen Anwalt vorgestern beauftragt, die Seite sperren zu lassen, und werde Strafanzeige gegen Unbekannt stellen", sagte gestern der Bürgermeister auf MT-Anfrage.

Am Mittwoch in der Mittagszeit erhielt er den Anruf einer Bekannten, die ihn auf die Facebook-Seite "Michael Der Bürgermeister" hinwies. Dort hatten sich bis zum Abend bereits mehrere sogenannte Freunde eingefunden. Und das funktioniert so: Der "Besitzer" der Seite verschickt Freundschaftsanfragen an Personen, die er über sein Wohl und Wehe auf dem Laufenden halten will. Bestätigen diese die Anfrage, dann sind es Freunde, die Zugang zu seiner Seite haben.

Eine davon war bis gestern Mittag Christin Busche, eine 19-jährige Schülerin aus der Gemeinde Hille. Sie habe, berichtete sie, mehrere Freundschaftsanfragen gleichzeitig beantwortet. "Mir war aber schnell klar, dass das eine Fälschung war, denn das passte alles nicht." Nicht nur, dass der angebliche Bürgermeister behauptete, Hochchinesisch sprechen zu können, sondern auch viele andere Details hätten sie misstrauisch gemacht.

Bernhard Förster aus Rothenuffeln ließ sich ebenfalls als Freund registrieren, er wertete die Anfrage als nette Geste. Erst mit einem Anruf wurde er über die Wahrheit informiert.

"Viel zu gefährlich"

Michael Schweiß selbst würde, sagt er, niemals in einem sozialen Netzwerk wie Facebook oder Twitter agieren. "Jedenfalls nicht als Privatperson oder Bürgermeister. Als Gemeinde Hille sind wir dort natürlich vertreten, um alle Altersgruppen, auch die jungen Leute, zu erreichen." Internet sei ein rechtsfreier Raum und seiner Ansicht nach viel zu gefährlich, um dort persönliche oder private Belange kundzutun.

Hilflos habe er sich angesichts der gefälschten Facebook-Seite gefühlt, und natürlich sei er wütend gewesen. Nicht nur über die Boshaftigkeit, die sich hinter dem Ganzen verberge, sondern auch über die Tatsache, dass er kaum etwas gegen die Veröffentlichung unternehmen könne. "Ist diese Seite gesperrt, ist es ein Leichtes, eine neue einzurichten."

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 02.02.2012 um 23:28:04 Uhr

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Kommentare
Was Hugo sagt.

Erst durch diesen MT-Artikel wird die ganze Angelegenheit groß bekannt gemacht (Streisand Effek). Der Bürgermeister hätte den Quatsch einfach erst einmal als Spam bei Facebook melden sollen - ohne Anwalt, der könnte später kommen, wenn Facebook nicht reagiert.

Ansonsten wäre dem Bürgermeister zu empfehlen, einfach seinen eigenen Web-Auftritt aktuell zu halten, sodass die Leute zum Original gehen, um sich zu informieren.

Ein paar Spinner und Komiker gibt es immer, da kann man nicht viel machen.

Interessant, dass Politiker das Internet immer noch als "rechtsfreien Raum" sehen und sich wenig damit auskennen.

Wenn allerdings um Wahlkampf geht, wird "das Internet" gerne benutzt. Die Homepage des Bürgermeisters ist im Wahljahr 2009 stehengeblieben. Es gibt einen Lebenslauf und sogar eine Homestory mit Bildern von der Familie.

Sobald man aber gewählt wurde ist es mit der Internet-Affinität vorbei. Dann wird das Internet böse und gefährlich.

Um ein gefälschtes Profil bei Facebook zu entfernen wird ein Anwalt beauftragt, dabei braucht man nur ein paar Klicks, um ein falsches Profil bei Facebook zu melden.

Es wird Strafanzeige erstattet und die Zeitung berichtet darüber. Ein Streisand-Effekt (siehe Wikipedia) wird ausgelöst.

Leider ist das Facebook-Profil aus dem rechtsfreien Raum schon verschwunden. Ich hätte mir gerne selber ein Bild gemacht. Verleumdung, üble Nachrede, Satire, ein Streich? Jedenfalls war es einer 19-jährigen sofort als Falschprofil aufgefallen.

Der "rechtsfreie Raum" entsteht übrigens nicht durch Facebook oder das Internet. Die deutschen Gesetze gelten online wie offline. Auch ohne Internet ist Identitätsdiebstahl in Deutschland leider noch kein Straftatbestand. Um von Facebook Daten über den Bösewicht zu bekommen muss aber, am besten von der Staatsanwaltschaft, eine Anordnung vorliegen. Über Hilfstatbestände wäre es möglich. Das müssen dann aber dicke Klopse sein. Eine fette Verleumdung vielleicht.

Der Bürgermeister hat Schnaps im Schrank stehen, begrabscht angetüdelt die Sekretärin und spricht dabei Hochchinesisch. Hm, warten wir mal ab was der Anwalt daraus machen kann.

mist! ich wollte ihn gerade adden, finde aber sein profil "michael der bürgermeister" nicht mehr.

herr bürgermeister..man kann sich aber auch anstellen ;)

Also bei allem Verständnis für die Problematik finde ich es dennoch etwas überzogen gleich mit Rechtsanwalt und Strafanzeige zu reagieren. Habt ihr euch / Haben Sie sich mal das fragliche Facebook-Profil näher angesehen? Meiner Meinung nach ist es sofort ersichtlich, dass es sich hierbei um einen reinen Spaß-Eintrag handelt, allein schon aufgrund der Namenswahl "Michael Der Bürgermeister". Es ist überhaupt nichts besonderes, dass solche Spass-Seiten über Politiker und Personen des Öffentlichen Lebens existieren... Herr Schweiss fühlt sich hilflos und sieht sich in der Opfer-Rolle. Er wäre gut beraten, wenn er sich mal ernsthaft mit den Sozialen Netzwerken auseinander setzen und sich diesen öffnen würde. Aber stattdessen findet er das ja alles (Achtung Zitat) "Viel zu gefährlich". Wäre mir dieser Eintrag gegolten, so hätte ich erstmal Kontakt mit dem Urheber des Eintrags aufgenommen, um zu erfahren was wirklich dahinter steckt. Vielleicht hätte man das Problem so "bürgernah" klären können... Viele Politiker haben eigene Facebook-Profile und kommunizieren direkt mit ihren Kritikern. Auch z.B. Mindens Bürgermeister Buhre macht es so. Nur warum geht das in Hille nicht?

Wenn ich sowas wie "Internet sei ein rechtsfreier Raum und seiner Ansicht nach viel zu gefährlich, um dort persönliche oder private Belange kundzutun." schon höre stellen sich bei mir die Nackenhaare auf.

Ich glaube als Politiker jedllicher Fasson sollte man schon zumindest ein Grundeminar "Neue Medien" besuchen. Wie man zu solchen desinformativen Falschaussagen kommen kann bleibt mir Schleierhaft. Das Internet scheint für Sie wohl immernoch eine "Modeerscheinung" mit der man sich nicht qualitativ auseinandner setzen muss. Statt dessen werden irgendwelche popolistischen Aussagen zusammenhangslos nachgeplappert. Fantastisch



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