In seinem Namen legte jetzt jemand im Internet auf Facebook eine Seite an – ohne sein Wissen oder seine Erlaubnis. In Beiträgen berichtet er angeblich persönlich über Privates, seinen Arbeitsalltag und seine Einstellung zu Mitarbeitern im Rathaus.
Der echte Michael Schweiß spricht von Verunglimpfung und der Verletzung von Persönlichkeitsrechten, wird ihm doch Alkohol im Dienst, Anmache einer Kollegin und einiges mehr unterstellt. "Ich habe meinen Anwalt vorgestern beauftragt, die Seite sperren zu lassen, und werde Strafanzeige gegen Unbekannt stellen", sagte gestern der Bürgermeister auf MT-Anfrage.
Am Mittwoch in der Mittagszeit erhielt er den Anruf einer Bekannten, die ihn auf die Facebook-Seite "Michael Der Bürgermeister" hinwies. Dort hatten sich bis zum Abend bereits mehrere sogenannte Freunde eingefunden. Und das funktioniert so: Der "Besitzer" der Seite verschickt Freundschaftsanfragen an Personen, die er über sein Wohl und Wehe auf dem Laufenden halten will. Bestätigen diese die Anfrage, dann sind es Freunde, die Zugang zu seiner Seite haben.
Eine davon war bis gestern Mittag Christin Busche, eine 19-jährige Schülerin aus der Gemeinde Hille. Sie habe, berichtete sie, mehrere Freundschaftsanfragen gleichzeitig beantwortet. "Mir war aber schnell klar, dass das eine Fälschung war, denn das passte alles nicht." Nicht nur, dass der angebliche Bürgermeister behauptete, Hochchinesisch sprechen zu können, sondern auch viele andere Details hätten sie misstrauisch gemacht.
Bernhard Förster aus Rothenuffeln ließ sich ebenfalls als Freund registrieren, er wertete die Anfrage als nette Geste. Erst mit einem Anruf wurde er über die Wahrheit informiert.
"Viel zu gefährlich"
Michael Schweiß selbst würde, sagt er, niemals in einem sozialen Netzwerk wie Facebook oder Twitter agieren. "Jedenfalls nicht als Privatperson oder Bürgermeister. Als Gemeinde Hille sind wir dort natürlich vertreten, um alle Altersgruppen, auch die jungen Leute, zu erreichen." Internet sei ein rechtsfreier Raum und seiner Ansicht nach viel zu gefährlich, um dort persönliche oder private Belange kundzutun.
Hilflos habe er sich angesichts der gefälschten Facebook-Seite gefühlt, und natürlich sei er wütend gewesen. Nicht nur über die Boshaftigkeit, die sich hinter dem Ganzen verberge, sondern auch über die Tatsache, dass er kaum etwas gegen die Veröffentlichung unternehmen könne. "Ist diese Seite gesperrt, ist es ein Leichtes, eine neue einzurichten."
Erst durch diesen MT-Artikel wird die ganze Angelegenheit groß bekannt gemacht (Streisand Effek). Der Bürgermeister hätte den Quatsch einfach erst einmal als Spam bei Facebook melden sollen - ohne Anwalt, der könnte später kommen, wenn Facebook nicht reagiert.
Ansonsten wäre dem Bürgermeister zu empfehlen, einfach seinen eigenen Web-Auftritt aktuell zu halten, sodass die Leute zum Original gehen, um sich zu informieren.
Ein paar Spinner und Komiker gibt es immer, da kann man nicht viel machen.