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18.01.2012
Auch Schüler fahren mit dem Bürgerbus
Aber: Kein Stopp vor der Haustür / Durchschnittlich 240 Fahrgäste im Monat / Veränderungen bei Haltestellen
VON GISELA BURMESTER

Hille (mt). Seit eineinhalb Jahren rollt der Bürgerbus Hille durch die Gemeinde (das MT berichtete). Die Fahrgastzahlen sind gestiegen, ab Februar wird es Veränderungen bei den Haltestellen geben.

Hinter dem Steuer des Bürgerbusses sitzen ehrenamtliche Fahrer. | Foto: Peter Carmine

Nach Auskunft von Rolf Schulder, stellvertretender Vorsitzender des Bürgerbusvereins Hille, lagen die Fahrgastzahlen anfangs bei durchschnittlich 60 Personen im Monat. "Mittlerweile sind es 240. Es ist eine gewisse Konstanz eingekehrt."

Da die Fahrer und Fahrerinnen Passagierlisten führen, steht die exakte Zahl für 2011 fest: 1941 Fahrgäste wurden gezählt. Mittlerweile gibt es zahlreiche Stammgäste im Bürgerbus: Sie nutzen ihn, um zu Haltestellen des Linienbusverkehrs zu gelangen und nach Minden oder Lübbecke weiterzufahren. Oder um beispielsweise nach Hille mit seinen zahlreichen Fachgeschäften und Arztpraxen oder zum Rathaus in Hartum zu fahren.

Und auch bei Schülern und Schülerinnen der Verbundschule Hille erfreut sich der Bulli mit seinen acht Sitzplätzen einer gewissen Beliebtheit. Die Schülerbeförderung werde, sagt Bernd Küchhold, zuständiger Sachbearbeiter im Rathaus, über den Öffentlichen Personennahverkehr, also die Linienbusse, abgewickelt. "Schüler, die eine Fahrkarte besitzen, können deshalb auch den Bürgerbus, der den Status eines Linienbusses besitzt, nutzen."

Das tun sie dann vermehrt am frühen Nachmittag: Nach der sechsten Stunde fährt ein Linienbus und dann erst wieder einer nach der neunten Schulstunde um kurz nach 15.30 Uhr.

Schüler nutzen Bürgerbus

In der Zwischenzeit nehmen Schüler den Bürgerbus, wenn denn genug Sitzplätze frei sind. "Sind es zu viele, müssen sie sich einigen, denn Stehplätze gibt es in dem Bulli nicht", sagt Rolf Schulder und verweist darauf, dass jeder Fahrer in eigener Verantwortung entscheide, wen er als Fahrgast mitnehme. "Beispielsweise können betrunkene Personen abgewiesen werden."

Der Fahrplan der Linienbusse ist nach Auskunft von Gerhard Uphoff, in der Gemeindeverwaltung Fachbereichsleiter Zentrale Dienste, so weit wie möglich auf die Unterrichtszeiten abgestimmt. Dass Schüler trotzdem nach Unterrichtsschluss Wartezeiten in Kauf nehmen müssten, sei leider nicht zu ändern.

Und dass sie der Bürgerbus nicht direkt vor der eigenen Haustür aussteigen lässt, liegt in der Natur der Sache: Der Bürgerbus fährt wie ein Linienbus nur Haltestellen an. Laut Schülerfahrkostenverordnung kann Kindern und Jugendlichen, die keine Grund- oder Förderschule besuchen, ein Fußweg von bis zu zwei Kilometern zugemutet werden. Also auch Verbundschülern.

Ab Februar wird der Bürgerbusverein den Fahrplan straffen, und der Bulli wird zum Dienstbeginn acht Minuten früher abfahren, um eine bessere Vertaktung mit dem Linienbusverkehr zu erreichen. Zurzeit gibt es nach Auskunft von Rolf Schulder 44 Haltestellen, die vom Bürgerbus angefahren werden, ab 1. Februar werden es 55 sein.

Um möglichst viele Bürger zu erreichen, werden einige neu eingerichtet, andere sind bereits Linienbus-Haltestellen, wieder andere werden mangels Nachfrage gestrichen. Folgende Haltestellen fallen weg: Unterlübbe Köhlte (zwei Haltestellen); Nordhemmern Römerweg, Schule.

Neue Haltestellen

Folgende Haltestellen werden neu eingerichtet: Unterlübbe Sportplatz; Nordhemmern Mühlencafé. Neu angefahren werden: Rothenuffeln - Schule, Kirche, Finkenstraße, Mittelweg, Gartenstraße; Brennhorst Uphoff; Nordhemmern Leiwkenstadt, Bliewnißweg, Wullbrandt, Siedlung, Industrieweg; Holzhausen - Galgenheider Weg, Detzkämper Straße. Der aktualisierte Fahrplan steht in Kürze im Internet unter www.bbhille.de.tc.

Dass der Bulli überhaupt durch die Dörfer rollen kann, ist den Fahrern und Fahrerinnen zu verdanken: Sie arbeiten ehrenamtlich, bekommen also keinen Pfennig. "Wir werden vermutlich nie gewinnbringend fahren und immer auf die finanziellen Zuschüsse der Gemeinde angewiesen sein", sagt Rolf Schulder. Doch das Angebot sei ein Bürgerservice, der um Größenordnungen günstiger sei, als wenn man auf der Strecke einen Linienbusverkehr oder einen Taxibus anbieten würde.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 18.01.2012 um 01:17:25 Uhr

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Kommentare
Beim Thema Bürgerbus wäre es schön wenn der Bürgerbusverein endlich einmal verlässliche Zahlen auf den Tisch legt. Keine wilden Statistiken über irgendwelche Fahrgastzahlen, sondern das wirtschaftliche Ergebnis des Vereins - eine Bilanz also. Es wäre nämlich interessant wieviel Miese der Bürgerbus wirklich macht und welche öffentlichen Gelder dafür verheizt werden.

Im aktuellen Artikel wird nunmehr eingeräumt, dass der Bürgerbus niemals wirtschaflich erfolgreich - also wenigstens kostendeckend sein wird. Dabei fahren die Fahrer schon ehrenamtlich - also für lau und opfern ihre Freizeit. Dabei entstehen neben den wirtschaftlichen Problemen wohl offensichtlich auch psychologische - in der Vergangenheit wurde der Bürgerbus öfters als Erfolgsmodell verkauft. Der aktuelle Artikel hört sich nunmehr schon eher nicht mehr nach Erfolsmodell an. Die früheren Zeitungsartikel des Vereins (P.C.) waren im Übrigen eher kontraproduktiv - durch das Verzerren der Tatsachen wurde eine Erwartungshaltung geweckt, die der Bürgerbus kaum mehr erfüllen kann - in Wirklichkeit kämpft der Bürgerbus nämlich um seine Existenz.

Nunmehr wurde erstmalig auf den gesellschaftlichen Nutzen des Bürgerbusses abgestellt. Dies ist sinnvoll weil es vielleicht die einzige Daseinsberechtigung des Bürgerbusses ist. So ist es natürlich sinnvoll Schüler mitzunehmen - besser Schüler sitzen in dem Bus bevor dieser leer durch die Gegend fährt. Gleichzeitig wird der Bürgerbus in Bezug auf die eigentliche Zielsetzung noch fragwürdiger.

Dies gilt umso mehr wegen der allgemeinen Finanzkrise und der Über schuldung der öffentlichen Haushalte. Der Bürgerbus wurde vor "Griechenland" ins Leben gerufen, sonst gäbe es dieses wirtschaftliche "Schwarze Loch" wahrscheinlich nicht. Ich halte den Bürgerbus im Kern für eine gute Sache, die es aber angesichts der äußeren Umstände schwer haben wird. Man könnte auch sagen der Bürgerbus ist zum scheitern verurteilt - leider!

..denn sie wissen nicht, was sie tun....

Die öffentlich proklamierten Ziele des Bürgerbusses waren:
1. Den örtlichen Nahverkehr für Senioren zu verbessern, hiermit die Nahversorgung bezüglich Ärtzte, Einkaufen, etc. zu optimieren.
2. Dem ÖVPN keine Konkurrenz zu machen.
3. Kostendeckend, nicht gewinnbringend, zu wirtschaften.

Erreichtes.
1. Die Abwanderung von Nutzern des Schülerbusses zum Bürgerbus, um wenige Minuten länger schlafen zu können.
2. Eine marginale Zahl an ursprünglich avisierten Nutzern.
3. Mehr fällt mir hierzu nicht ein.

Folgerungen.
1. Sofern nur 16 Schüler den Bus täglich nutzen, machen diese schon den Großteil der Nutzer aus, ohne jegliche Kostendeckung.
2. Die Vielzahl der mit dem Automobil fahrenden Rentner fährt weiterhin mit dem eigenen Auto.
3. Der ÖVPN wird aufgrund der finanziellen Probleme, siehe hierzu die MT-Berichte aus den letzten Tagen, künftig überlegen, sein Netz mittelfristig weiter einzuschränken.
4. Der desolate Haushalt der Gemeinde Hille wird weiter belastet.

Ergebnis.
Welche sonstigen Gebühren müssen erhöht werden, um den Bürgerbus zu finanzieren. Die Haushaltslage in Hille ist desolat, Sparbemühungen sind keine erkennbar, wozu auch der Bürgerbus optimal in die Reihe paßt.
Es stellt sich letztendlich auch die Frage, ob bei einer Einwohnerzahl von ca. 17.000 laut Bürgermeister, die Allgemeinheit der Bürger mit diesen Kosten belastet werden müssen, gerade in Hinsicht auf den Nutzerkreis.

Aussenstehenden Menschen ergibt sich der Eindruck, dass Hille mit seinen politisch verantwortlichen Repräsentanten in post-kommunistische Zeiten gefallen ist, wo zum Wohle einige Weniger, alle für bluten sollen. Es ist an der Zeit, dieses gescheiterte Experiment zu beenden. Hierzu fordere ich alle noch klar denkenden Verantwortlichen auf, die Zahlen, Daten, Fakten genau zu analysieren und eine für alle Bürger der Gemeinde sinnvolle Entscheidung zu treffen.


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