320 Schüler und Schülerinnen der Verbundschule machen beim Berufsparcours mit / Talente testen an Stationen
Wer kein Abitur machen möchte, beginnt eine Ausbildung: Da kann es nicht schaden, wenn sich 13- und 14-Jährige Gedanken über ihren späteren Beruf machen und herausfinden, welche Talente sie besitzen.
Genau da klinkt sich der Berufsparcours ein: An Stationen absolvieren die Schüler und Schülerinnen Übungen, die ihnen mal mehr, mal weniger gut liegen.
So können sie mit ein wenig Glück herausfinden, ob ihnen eine Tätigkeit zusagt.
13 Stationen sind in der Aula der Verbundschule aufgebaut, darunter auch die der Unternehmen Gauselmann (Espelkamp), Auwi und Sitex (Minden) sowie der Krankenkassen Barmer und AOK und der PTA-Fachschule in Minden. In Gruppen absolvieren die neunten Jahrgänge der Gesamtschule und des Gymnasiums, die beiden achten Klassen der Gesamtschule und einige Schüler aus der zehnten Klasse den Berufsparcours, der von Karin Ressel, Leiterin des Technikzentrums (TZ), und Verbundschullehrerin Angelika Riensche geleitet wird.
Feinmotorik testen
Will jemand Anlagenmechaniker werden? An der von Volker Ruch und Christel Bornemann betreuten TZ-Station können die Schüler ihre Feinmotorik testen. Sie sägen ein Stück Kupferrohr ab und feilen daraus einen Fingerring, der auch auf Hochglanz poliert wird. "Das ist ganz schön schwierig", meint Madlin (14), der die Feile so gar nicht in der Hand liegen will. Freundin Ilva (14) dagegen kann ein Erfolgserlebnis verbuchen: Auf ihrer Handfläche liegt ein schöner, rötlich schimmernder Fingerring. Tragen will sie ihn allerdings nicht. "Die Farbe gefällt mir nicht."
Mit vollem Körpereinsatz geht es an der TZ-Station "Verpackungsmechanikerin" zur Sache. Zehn Geschirrtücher wollen in einer kleinen Plastikbox verstaut werden, der Deckel muss mindestens zehn Sekunden lang draufbleiben. Die Jugendlichen rollen, stapeln oder falten die Stoffstücke, quetschen sie in ihre Behälter, hauen mit der Faust drauf oder legen ihr ganzes Gewicht in die Waagschale. Meist erfolglos, der Deckel geht nicht zu. "Das ist richtig schwierig", sagt Birte (13).
Dann geht es weiter zur Punschmischung bei der PTA-Fachschule. Dort sitzt Annegret Trampe am Tisch und informiert über den Ausbildungsberuf der pharmazeutisch-technischen Assistentin, die in einer Apotheke arbeitet.
"Hier müssen die Schüler Geschicklichkeit zeigen, denn sie wiegen mit der Handwaage fünf Gramm der Punschmischung ab." Da müsse man, sagt die Fachfrau, sorgfältig arbeiten. Als Belohnung darf später jeder seine duftenden Gewürze in eine Tüte abfüllen und mitnehmen.
Auch die Allgemeinbildung wird getestet: Erkennen die Jugendlichen die Bestandteile wie Zimtrinde, Kardamom und Gewürznelken?
Komplizierte Aufgabe, rauchende Köpfe
Metallverarbeitung: Mit vereinten Kräften wird ein Stück des Kupferrohrs abgeschnitten.
Logisch-mathematisches Denken wird den Kandidaten bei Sitex abverlangt, wo Marie Brase Bildkarten verteilt: Es geht um Disposition. Ein Lkw liefert an mehrere Adressen Ware aus - wie muss er fahren, um das in kürzester Zeit zu schaffen? Rauchende Köpfe überall, denn die Aufgabe ist kompliziert. Katharina (13) ist eine, die sie löst. Aber ob sie Industriekauffrau - denn um diesen Beruf geht es - werden will, weiß sie noch nicht.
Andere sind da schon einen Schritt weiter. "Einigen Schülern wurden von den Unternehmen bereits Praktika angeboten", berichtet Karin Ressel, die nach eigenen Angaben mit dem von ihr entwickelten Berufsparcours jährlich bundesweit 50000 Jugendliche erreicht.