Landesprojekt machts möglich: Sandra Budig arbeitet als Schulverwaltungsassistentin an Verbundschule Hille
Eine Sekretärin ist Anlaufpunkt für Schüler, eine Schulverwaltungsassistentin entlastet Lehrer von Verwaltungsaufgaben und ist Landesbedienstete.
Mittagessen in der Mensa: Sandra Budig mit Bürgermeister Michael Schweiß und Verwaltungsmitarbeiter Bernd Küchhold an der Essenausgabe. | MT-Foto: Alex Lehn
Sandra Budig im Gespräch mit dem stellvertretenden Schulleiter Karl-Heinz Kütemeier. "Wir geben sie nicht wieder ab", sagt er. | Fotos: Andrea Gerecke
Seit gut zwei Jahren arbeitet die 38-Jährige als Schulverwaltungsassistentin in der Verbundschule Hille. Nach dem Abitur orientierte sie sich in Richtung Verwaltungslaufbahn und absolvierte ihre Ausbildung in Frankfurt am Main, arbeitete dann in Hannover und Bielefeld und ist überhaupt viel rumgekommen in ihrem bisherigen Leben. In der Region ist sie seit 20 Jahren daheim.
Sandra Budig ist verheiratet, zur Familie gehören auch eine dreijährige Tochter und ein 13-jähriger Sohn. Wenn Zeit ist, dann bastelt sie gern, macht Hand- oder Gartenarbeiten.
Momentan arbeitet sie in Teilzeit, um auch für die Familie da sein zu können. Aber ohne Arbeit, das wäre nun gar nichts für sie. "Ich bin nicht der Typ für Zuhause. Ich brauche meine Arbeit."
Treffpunkt Büro: Im Hintergrund läuft auf ihrem Rechner das Schulverwaltungssystem. Der Tag einer Schulverwaltungsassistentin ist natürlich im Unterrichtsstundentakt aufgeteilt. Während der jeweiligen Stunden arbeitet sie ihre Aufträge in Ruhe weg.
Sobald die Pause eingeläutet wird, stehen die ersten Mädchen und Jungen an der Tür von Sandra Budig. Zu ihren Aufgaben gehören die Material- und Schulbuchverwaltung ebenso wie der Zeugnisdruck für die Sekundarstufe I (immerhin etwa 1000 Stück) und die Kartenverwaltung für die Mensa. Bei ihr kann man die Karten für die Mensa aufladen lassen, eine neue Hülle erbitten oder den Verlust einer Karte melden, damit sie gesperrt wird.
"Gewissermaßen ins Wasser geworfen"
Das Protokollieren der Schul- und Lehrerkonferenzen gehört ebenfalls zu ihrem Aufgabengebiet. "Ich war gerade drei Tage in der Schule, da musste ich das erste schreiben. Gewissermaßen wurde ich ins Wasser geworfen und musste sofort schwimmen", erinnert sich Sandra Budig lächelnd. "Ich bin übrigens eher die Praktikerin."
Zu Hauptzeiten geben sich die Lehrer und Referendare von Gesamtschule und Gymnasium - alles in allem so um die 100 - bei Sandra Budig die Klinke in die Hand. In ihrem kleinen, hellen Büro stehen Regale, dicht gefüllt mit Büchern, Ordnern und Methodenkoffern. Letztere sind gepackt mit Stiften, Karten für Referate und all den Kleinigkeiten, die man für eine Präsentation benötigt. Zwei Computer und somit zwei Netzwerke laufen in dem Raum. Einer dient der Schulbuchverwaltung, der andere der normalen Arbeit. "Flexibilität ist hier alles. Das unterscheidet meine Arbeit von einem normalen Bürojob", hebt Sandra Budig hervor.
"Schild" nennt sich das Datenverwaltungsprogramm, mit dem einmal im Jahr die Schülerstatistiken nach Düsseldorf geliefert werden müssen. Auch hier hilft Budig tatkräftig mit.
Karl-Heinz Kütemeier, stellvertretender Schulleiter, lobt die professionelle Arbeit der Schulverwaltungsassistentin: "Wir geben sie nicht wieder ab." Da fast alle Zeugnisse über ihren Schreibtisch gingen, seit dieser Bereich schon einmal perfektioniert. Sie pflege auch interne Daten, falls zum Beispiel Schüler später noch einmal ein Zeugnis benötigten.
Das Landesprojekt "Schulverwaltungsassistentin", mit dem Behördenmitarbeiter, deren Stellen gestrichen werden, aufgefangen und in die Schulen verlagert wurden, setzte 2007 ein und kam dann 2008 auch nach Hille. Einige Arbeitsstunden der Lehrer wurden auf die neue Position verlagert.
"Vieles läuft zentraler, schneller, sicherer"
"Zunächst waren wir schon etwas skeptisch", erinnert sich Karl-Heinz Kütemeier. "Immerhin sind wir ein quirliges System. Bei uns ist alles sehr lebendig, interessant, aufregend. Es ist vermutlich schon eine große Umstellung für einen Mitarbeiter einer Behörde, zu uns zu kommen."
Sandra Budig bewarb sich damals von sich aus, weil sie diese Arbeit für spannend hielt. "Unsere Skepsis ist völlig gewichen. Ganz im Gegenteil. Vieles läuft jetzt zentraler, schneller, sicherer. Wir haben ja so ein Glück, uns entlastet Sandra Budig sehr", strahlt Kütemeier.
Die Länder Hessen und Baden Württemberg arbeiten schon mit diesem Modell, in NRW wird geprüft, ob es landesweit im Regelbetrieb eingesetzt werden soll. "Wir können es uneingeschränkt empfehlen", sagt Karl-Heinz Kütemeier. "Die eine oder andere Sache wäre ohne sie gar nicht machbar. Und die höhere Zufriedenheit insgesamt kommt letztlich allen in der Schule zugute."