Deutsch-deutsche Geschichte begeistert das Publikum / Tanz und Musik auf hohem Niveau dargeboten
Vom Zweiten Weltkrieg über den Mauerfall bis hin zum heutigen Bundestag - der Literaturkurs des 12. und 13. Jahrgangs sowie die Lehrer Michael Otte und Stefanie Falkenau hatten an alle wichtigen Stationen Deutschlands gedacht.
So bekam der Zuschauer zu sehen, was der Titel der Revue - "Ost-West-Blicke, 66 Jahre deutsch-deutsche Geschichte" - versprach. Doch nicht nur das Auge des Publikums wurde beansprucht. Die musikalische Umsetzung von Bertolt Brechts "Kinderhymne", Stücken des King of Rock n Roll Elvis aus den 50er-Jahren, aber auch Songs der neuen deutschen Welle oder "Denkmal" von "Wir sind Helden" war sensationell. Besonders Fatma Akay, Lisa Rohlfing, Harri Zenner und Torben Kuhmann stachen mit ihren Stimmen heraus und interpretierten die Musikstücke auf hohem Niveau.
Beeindruckend war ebenso die Rock n Roll-Tanzeinlage, die Sportlehrerin Daniela Renaud mit drei Schülerpaaren in wochenlanger Arbeit geprobt hatte. Im stilechten Petticoat schwangen die Schülerinnen die Hüften und vermittelten das Lebensgefühl dieser Zeit.
Der stetige Wechsel der Aufschriften "Ost-Blick" und "West-Blick" auf einer kleinen Mauer auf der Bühne machte dem Zuschauer deutlich, auf welcher Seite Deutschlands die Revue gerade stattfand.
Anhand von zwei Volkspolizisten bekam der Zuschauer einen völlig neuen, humorvollen Blick auf den Tag des Mauerfalls. Doch die Revue zeigte nicht nur die heitere Seite der deutschen Vergangenheit. In Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte "Draußen vor der Tür" wurde deutlich, was es hieß, als Kriegsverwundeter nach Hause zu kommen und seine Frau mit einem anderen Mann vorzufinden.
Neben schauspielerischen Leistungen kam auch eine Leinwand zum Einsatz: Ein Wahlwerbespot als Zeichentrick aus den 60er-Jahren zeigte, wie groß der Unterschied zwischen der BRD und der DDR war. Von grünen Wiesen und Vogelgezwitscher hin zu Stacheldrähten und Soldaten.
Auch die Werbung kurz nach Kriegsende vermittelte ein Frauenbild, das heute unbekannt ist: So gar nicht emanzipiert und als Lebensinhalt die zwei bedeutenden Fragen "Was ziehe ich an?" und "Was koche ich?".
Doch wie versetzt man sich in eine Zeit lange vor der eigenen Geburt? Die Schüler wurden alle nach der Wiedervereinigung geboren und wenn sie an Deutschland denken, fallen ihnen Ereignisse wie die Fußball-WM im eigenen Land oder der Sieg beim Eurovision Songcontest ein - und dabei denken sie nicht an Nicole.
"Der Kurs war am Anfang gar nicht so begeistert vom Thema", verrät Michael Otte. Werden die Themen doch eher im Geschichtsunterricht behandelt. "Die Auseinandersetzung und die Recherche beleuchteten die Zeit dann aber von vielen Seiten - Politik, Literatur, aber auch Musik und das Lebensgefühl der damaligen Zeit", ergänzt Stefanie Falkenau.
Seit Februar beschäftigten sich die rund 30 Schüler mit der deutsch-deutschen Geschichte, geprobt wurde seit den Sommerferien. Fazit: Ein wunderschöner, interessanter Abend - ganz wie ihn der stellvertretende Schulleiter, Karl-Heinz Kütemeier, in seiner Begrüßung angepriesen hatte.