Neuntklässler der Verbundschule Hille informieren sich im Gerichtszentrum über Oberlübber Heinrich Kurlbaum
"Ich bewundere seinen Mut", sagt Tabea Busse, die noch die Worte von Rechtsanwalt Bernd Brüntrup im Ohr hat. Im Anschluss an den Vortrag haben die Schüler die Aufgaben, sich über die "Deserteure an Front und Heimatfront" zu informieren.
Die Schüler kamen in Begleitung ihrer Lehrer Annette Streich und Gerdfried Henneking, hier stand im neunten Schuljahr das Thema Nationalsozialismus im Lehrplan. "Im Unterricht haben wir schon einiges über das Thema gehört", erklärten die Schüler.
Die Ausstellung ist im Juni eröffnet worden, in ihr wird das Schicksal von Menschen aus Westfalen-Lippe thematisiert, die in der Zeit des Nationalsozialismus mit der Justiz in Konflikt kamen. Unter ihnen war auch Heinrich Kurlbaum, über dessen Schicksal Brüntrup die Schüler auf kurzweilige und zugleich eindringliche Art informierte.
Kurlbaum wurde 1901 geboren, er war von Beruf Zigarrenmacher, heiratete und bekam vier Kinder mit seiner Frau Ida. Gemeinsam mit seiner Frau trat er den Zeugen Jehovas bei und verweigerte aus religiösen Gründen 1943 den Eid auf den Führer. Als er sich schließlich doch dazu bereit erklärte, wurde er zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Kurlbaum war als Pionier tätig, bis er 1944 in Russland an die Front verlegt wurde.
Dort weigerte er sich, mit der Waffe in der Hand zu kämpfen und wurde wegen "Zersetzung der Wehrmacht" zu Tode verurteilt. Am 15. Mai 1944 wurde er in Frankreich hingerichtet und in Huqueville begraben.
Bernd Brüntrup zeigte den Schülern das Originalurteil der Nazis, den Abschiedsbrief an seine Familie und den Brief, mit dem seine Frau über die Ermordung ihre Mannes informiert wurde.
1998 wurde eine Gruppe von Mindenern auf den Oberlübber Bürger und sein Schicksal aufmerksam - unter ihnen war auch Bernd Brüntrup. Ihr Ziel war, eine Straße nach ihm zu benennen. Es sollte noch sechs Jahre, sechs Monate und fünf Tage dauern, bis das Vorhaben verwirklicht wurde. 2005 wurde schließlich die Heinrich-Kurlbaum-Straße in der Nähe des Simeonsplatzes in Minden eingeweiht.
Seit einem Jahr werden im Gerichtszentrum Minden auch Ausstellungen gezeigt, sowohl Dokumentationen als auch Bilder und Fotos. "Damit wollen wir uns der Öffentlichkeit öffnen", erklärt Maja Kurth, Richterin am Amtsgericht.
stehenden Code hier ein*: