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10.02.2010
Ein "Methusalem" verabschiedet sich
Wolfgang Möller war 37 Jahre lang Lehrer / Seit 1990 an Verbundschule Hille / Viel erreicht als Didaktischer Leiter
VON GISELA BURMESTER

Hille (mt). Wolfgang Möller ist ein Methusalem unter Lehrern: 37 Jahre lang unterrichtete er. Nun ging er in den Ruhestand, genauer gesagt: in die Ruhephase der Altersteilzeit.

Wolfgang Möller (neben ihm Ehefrau Marie-Luise) wurde gestern verabschiedet. MT- | Fotos: Otto

Rund 40 Jahre lang war der 63-Jährige im öffentlichen Dienst beschäftigt.

Drei Jahre - von 1967 bis 1969 - war er beim Bundesgrenzschutz im Einsatz, dann von 1973 bis zum 31. Januar 2010 im Schuldienst tätig. Die letzten 20 Jahre unterrichtete er Kinder und Jugendliche an der Verbundschule Hille.

Im Rang eines Fähnrichs entschloss sich Wolfgang Möller, beruflich noch einmal von vorn anzufangen. Er schrieb sich an der Universität Bielefeld ein und studierte Mathematik, Sport und Deutsch auf Lehramt.

Nach der Staatsprüfung ging er zunächst als Lehrer an die Hauptschule Dankersen und wechselte 1990 zur noch jungen Gesamtschule in Hille.

Zusätzlich sammelte der gebürtige Lerbecker umfassende Erfahrungen in der Lehrerausbildung und der Schulorganisation. Die Stationen führten ihn unter anderem in verschiedene Kommissionen und Planungsgruppen: 1977 bis 1982 Mitglied des Staatlichen Prüfungsamtes für Erste Staatsprüfungen der Universität Bielefeld für die Fächer Mathematik und Sport; 1992 bis 1992 Kommissionsmitglied für die Bezirksregierung Detmold zur Erarbeitung eines Rahmenplans für den Mathematik-Vorbereitungsdienst, 1976 bis 1993 Fachleiter am Bezirks- und Studienseminar Minden und Bielefeld; 1992 Mitglied in der Planungsgruppe "Kombinierter wissenschaftlicher Unterricht" und Moderator bei einer Lehrerfortbildung.

Zwei Schülerinnen warten auf ihren Einsatz.

Eine weitere Herausforderung war dann der Wechsel zur Gesamtschule Hille. "Mich hat das pädagogische Konzept, bei dem die Schüler aller Leistungsstufen zunächst gemeinsam unterrichtet werden und die Differenzierung erst später einsetzt, gereizt." Diese Entscheidung, sagt Wolfgang Möller, habe er nie bereut. "Viel lag auch an dem netten Kollegium. Wir haben im Laufe der Jahre mit unserer gemeinsamen Arbeit einiges bewirkt."

Er fühlte sich in der Hiller Schule so wohl, dass er auch das Angebot einer anderen Schule, verbunden mit einer höheren Besoldungsstufe, ausschlug.

1993 wurde Wolfgang Möller Abteilungsleiter für die Jahrgänge 8, 9 und 10. Schulverwaltung, Organisation, Vorbereitung und Leitung von Konferenzen - er habe wie die anderen beiden Abteilungsleiter der Schulleitung zugearbeitet und sie unterstützt.

Didaktischer Leiter zieht positive Bilanz

Dann stellte sich der Lehrer der nächsten Herausforderung und bewarb sich als Didaktischer Leiter. 2001 trat er das Amt an, zusätzlich unterrichtete er noch bis zu 16 Wochenstunden.
Ständchen zum Abschied: Kollege Gertfried Henneking.

"Zusammen mit den Kollegen und Kolleginnen konnte ich viel auf den Weg bringen, anregen und durchführen", zieht Wolfgang Möller eine positive Bilanz der vergangenen Jahre. Die Umsetzung neuer Richtlinien, Berufsberatung, Methodik und Didaktik, Erarbeitung von Anti-Mobbing- und Vertretungskonzepten, Aufstellung eines Konzepts für Lese-Rechtschreib-Schwäche, dann die Profilbildung in der Oberstufe mit Fremdsprachenzertifikaten und der Kooperation mit dem Mindener Unternehmen ABB, Unterrichtsentwicklung für die Klassen 5 bis 13 - über mangelnde Aufgaben konnte sich der Didaktische Leiter nie beklagen.

Auch den Kollegen griff er bei der Arbeit unter die Arme - Stichwort "Methodentraining". "Gemeinsam haben wir Unterrichtskonzepte erarbeitet. Beispielsweise, wie sich die Schüler selbst mit Zeitmanagement, Recherche, Wiederholung und Arbeitsorganisation auf Klassenarbeiten vorbereiten können." Er habe, sagt Wolfgang Möller, viel Freizeit in dieses Amt investiert, "aber das gehört dazu". Schließlich gehe es nicht nur um reine Verwaltung und Organisation, sondern auch um die Vermittlung von Ideen. "Manchmal musste ich die Kollegen erst für Neues gewinnen, Überzeugungsarbeit leisten und Kompromisse finden."

Als gesundheitliche Probleme zunahmen, dachte der Pädagoge über Altersteilzeit nach: Zweieinhalb Jahre arbeiten, zweieinhalb Jahre Ruhestand, danach die offizielle Pensionierung. "Meinen letzten Arbeitstag hatte ich am 29. Januar." Die letzten Monate als Lehrer habe er bewusst erlebt und auch genossen. "Da waren Freude und auch Trauer, denn ich lasse vieles zurück. Ich bin immer gern zur Schule gegangen, gehe jetzt aber mit einem guten Gefühl."

Als Lehrer sei er bisweilen streng gewesen, doch er besitze auch Humor. "Ich glaube, dass die Schüler einiges bei mir gelernt haben." Den Kollegen spricht er ein Dankeschön aus: "Die Arbeit mit ihnen war erfolgreich und konstruktiv. Wir konnten vieles verwirklichen."

Andererseits hat Wolfgang Möller nun Zeit für seine Hobbys und aufgeschobenen Aufgaben: Tischtennisspiel, Trompetespielen im Posaunenchor Lerbeck, die Arbeit als CVJM-Vorsitzender, Lesen und die Renovierung des Arbeitszimmers. "Außerdem will ich meine Klassik- und Jazz-CD auf dem Computer speichern."

Und natürlich wird der Ruheständler auch mehr Zeit mit seiner Ehefrau Marie-Luise, die noch berufstätig ist, verbringen. "Unser Wunsch ist es, einmal nach Australien zu reisen." Außerdem sei da noch die Ferienwohnung in Carolinensiel an der Nordsee, wo es immer etwas zu tun gebe.

Wolfgang Möllers Stelle bleibt einige Monate unbesetzt: Im Sommer kehrt Dirk Schubert, der mehrere Jahre an einer deutschen Schule in Kalifornien unterrichtet hat, an die Verbundschule zurück, um die frei gewordene Stelle einzunehmen.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 09.02.2010 um 21:15:18 Uhr
Letzte Änderung am 10.02.2010 um 01:42:30 Uhr

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