Hille (mt). Das MT-Stadtgespräch in der Verbundschul-Aula hat einen Sieger. Er heißt Hillerich, ist ein Storch - und das Symbol der Gemeinde. Ihn wollen alle vier Bürgermeisterkandidaten in Zukunft weiter fördern.
Hillerich steht sinnbildlich für alles, was Hille zu bieten hat. Ob Natur, Kultur, Wirtschaft oder Infrastruktur: Michael Schweiß (SPD und Bündnisgrüne), Liane Brosius (CDU), Dietmar Rohde (FDP) sowie der parteilose Bewerber Jörg Schwenker wollen die Gemeinde voranbringen. Ihre Wege decken sich oft, weichen aber auch mal voneinander ab.
Alle müssen ein Bild malen, wie sie sich Hille im Jahr 2015 vorstellen. Rohdes künstlerische Fähigkeiten lassen einen Storch mit zufriedenem Gesichtsausdruck erkennen. "Man soll sich hier wohlfühlen", sagt der FDP-Kandidat, der aber auch einen Pleitegeier skizziert. Den will er in den kommenden sechs Jahren füttern. "Wir müssen dringend etwas für den Schuldenabbau tun." Dazu zähle auch eine Überprüfung der freiwilligen Ausgaben sowie ein effektives Gebäudemanagement.
Schweiß malt olympische Ringe. "Alles muss ineinander passen", sagt er. Verwaltung, Fraktion, Bürger, Politik und Bürgermeister müssen zusammenspielen - und dann kreist der 48-Jährige noch die Ringe ein. "Wenn etwas rund ist, dann rollt es. Das will ich erreichen."
Schwenkers künstlerische Ader lässt auf einen Mann der Zahlen schließen. Er malt Bilanzen, aber auch Menschen. "In sechs Jahren lässt sich vieles bewegen", sagt er - und in der Wirtschaftsförderung sieht er einen Schwerpunkt. "Durch sie lassen sich neue Arbeitsplätze schaffen." Sollte er Bürgermeister werden, will er sich zugleich um die Straßen kümmern, denn: Die seien nicht in dem Zustand, in dem sie sein sollten. Ähnlich interpretiert auch Liane Brosius ihr Bild, in dem sie die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Ihr liegen die Schullandschaft sowie das Kindergartenangebot am Herzen. Sie möchte neue Betriebe nach Hille holen und ein Netzwerk für Senioren aufbauen. "Wir müssen uns dem demografischen Wandel stellen."
In der von MT-Lokalchef Hans-Jürgen Amtage sowie den MT-Redakteurinnen Monika Jäger und Gisela Burmester moderierten Veranstaltung kommen auch die persönlichen Seiten der vier Kandidaten zur Sprache. Brosius plaudert über ihre beiden Söhne - und erzählt, dass sie ursprünglich gerne Naturwissenschaften studiert hätte. Mitgebracht hat sie einen Brief ihres Dezernenten aus Hiddenhausen, in dem ihr 1993 ihre erste Führungsposition mitgeteilt wurde. "Er ist einer meiner Vorbilder und zu ihm habe ich noch heute ein sehr freundschaftliches Verhältnis."
Schweiß zeigt seinen Ehering sowie ein Erkennungsband eines seiner Söhne, der es nach der Geburt bekam. Mehr als deutlich stellt der Holzhauser klar, dass ihm seine Familie über alles geht. Und er erzählt, dass er immer schon in einer Verwaltung arbeiten wollte, Fan von Modell-Eisenbahnen ist - und am besten beim Wandern abschalten kann. "Dann fahre ich Richtung Freiburg und laufe mit dem Rucksack los." Auch Rohde nennt die Familie an erster Stelle. Dass er noch nie beruflich aus Hille herausgekommen sei, unterscheide ihn von seinen Mitbewerbern. "Ich habe nie Gönner gebraucht, um meinen Weg zu gehen", sagt er. Ab und zu helfe er noch als Spieler bei den Handballern aus, fährt gerne Rad - und sieht sich als "politisch interessierter Mensch".
Schwenker hat früher ebenfalls Handball gespielt. "Dann kam was mit dem Knie", erzählt er. Dass er heimatverbunden sei und gerne wieder von Berlin nach Hille ziehen würde, sei ein Grund für seine Bewerbung. "Ich gehe gerne durchs Moor spazieren", sagt der Mann, der die Steuergesetze etwas verständlicher machen möchte.
Die Bewerber tun sich in der rund zweistündigen Veranstaltung nicht großartig weh. Wer einen großen kontroversen Schlagabtausch erwartet hat, wird enttäuscht. Dass die Kandidaten jedoch so kollegial miteinander umgehen, könnte auch an den Hiller Skandalen und Affären liegen. "Das hat der politischen Kultur nicht gut getan", sagt Schweiß - und seine drei Konkurrenten nicken.
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