Schulleiter Dr. Dieter Köpper begrüßte die zahlreichen Besucher in der Aula des Herdergymnasiums und beschrieb, wie sich die jungen Leute eigene Erkenntnisse erarbeitet und diese in ihren Texten und den ausgestellten Bildern und Kollagen verwertet haben. Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Glaubens, manchmal auch etwas anderer Kleidung sehen sie täglich in ihrer Schule, bei Nachbarn oder Freunden.
Sehen wir sie richtig? Wie sehen sie uns? Dieser Frage sind sie nachgegangen. Und sie haben Antworten bekommen, die vielleicht manchmal überraschend waren.
Drei Schülerinnen verlasen abwechselnd die von sechs jungen Leuten niedergeschriebenen Antworten, die zunächst recht unterschiedlich erschienen, bei genauer Betrachtung aber in wesentlichen Aussagen übereinstimmten, in solchen Aussagen, die Grundlage für ein friedvolles Miteinander sein können. Eine Muslima schreibt, dass sie nicht aus Zwang, sondern aus eigener Überzeugung gern ein Kopftuch trägt, dass sie ihren Glauben sonst nicht so streng ausübt, doch trotzdem sehr stolz auf ihn ist und gute Freunde unter den Christen hat.
Kontakte nach Haifa und Bethlehem geknüpft
Eine Christin beschreibt ihre sehr christliche Erziehung und die Sicherheit, die ihr der Glaube gibt. Eine andere lehnt die Existenz Gottes strikt ab, spricht vom Machtmissbrauch der Kirchen, will aber jedem zugestehen, nach seinem Glauben zu leben.
Vorurteile gegenüber dem Judentum sind ein Thema. Und auch sie sind stolz auf ihren Glauben, fühlen sich in ihrer Gemeinschaft geborgen, haben nur Angst vor Neonazis. Das sind Meinungen von Menschen, die unter uns leben, aber wie sehen uns andere, die in Israel oder Palästina leben?
Kontakte wurden geknüpft nach Haifa zum Kibbuz Yagur und zum Bildungszentrum Talitha Kumi in Bait Jala bei Bethlehem. In dieser Schule wird religiöse Toleranz und Achtung vor dem Andersdenkenden auch im gemeinsamen Religionsunterricht muslimischer und christlicher Lehrer verwirklicht. Hier ist es ein Ziel, die eigene Religion und die Religion des anderen besser zu verstehen.
Schüler christlichen, muslimischen und jüdischen Glaubens beschrieben ihr Bild und ihre Vorstellungen von Menschen, die in Deutschland leben. Und auch sie sahen viele Unterschiede, aber keine unüberbrückbaren Gegensätze. Und genau das war das beachtliche Ergebnis einer Studie, den nicht nur neue Erkenntnisse brachte, sondern auch neue Kontakte zu Menschen, die bereit sind, sich um ein friedliches Miteinander zu bemühen. Mehrfach wurde von den jungen Leuten zum Ausdruck gebracht, dass sie trotz verschiedenen Glaubens untereinander weniger Probleme hätten, als ältere Menschen, die nicht bereit wären, festgefahrene Ansichten anzupassen, um eine Annäherung zu ermöglichen, die einen Schritt auf dem Weg zur Brüderlichkeit bedeuten würde.