Mit Kreislers Zustimmung wurde die für Klavier geschriebene Musik für Akkordeon und Klarinette neu arrangiert, der Akkordeonist übernimmt auch einige Rollen und es gibt weitere Frauenrollen und damit eine zweite Schauspielerin.
Georg Kreisler ging als jüdischer Emigrant selbst den Weg über die Schweiz und Paris nach Amerika und zurück und lässt die Schauspielerin und Sängerin Lola Blau, die vor den Nazis aus Wien flieht, den gleichen Weg gehen. Sehr gelungen und glaubhaft gezeichnet und hervorragend dargestellt sind die Charaktere.
Heike Maria Förster in der Titelrolle ist ein Glücksfall, denn die Opernsängerin kann sich in begeisternder Bandbreite stimmlich von ihrem Fach lösen und schauspielerisch erweist sie sich als Meisterin des Untertons. Die Entwicklung und Reifung der Persönlichkeit Lolas macht sie nachvollziehbar und in tiefster Verzweiflung ist immer noch Hoffnung, wie in größter Freude Traurigkeit spürbar.
Musik rückt näher an Klezmerklänge
Das ist zugleich auch ein Kennzeichen der Musik, die nun näher an die adäquaten Klezmerklänge gerückt erklingt. Melodie und Reime lassen natürlich deutlich Kreislers Handschrift erkennen und dazu gibt es viele musikalische Zeit-Zitate und Einspielung von Radio-O-Tönen und dem Klang marschierender Stiefel. Marko Kassl, der für die Arrangements zuständig war, setzt sowohl Akkordeon wie auch Klarinette mit sehr viel Gefühl ein und erweist sich zudem als fähiger Schauspieler. Er spielt Lolas große Liebe, Leo, der immer wieder im gestreiften Häftlingsanzug im Bühnenhintergrund mit Akkordeon oder Klarinette in Traumsequenzen erscheint. Ebenso überzeugend stellt er auch den Zimmerwirt dar, der Lola Blau über Nacht kündigt und Herrn Schmidt, den begeisterten Nazi, der ihr auf der Überfahrt nach New York begegnet und hinterher alles unter den Tisch kehrt.
Auch Stella-Louise Göke, die als BDM-Mädchen die Fahne voranflattern lässt, dann bewegend vom Polenmädchen singt, in die Rolle der Show-Kollegin schlüpft und als FDJ-Mädchen erschreckend der ersten Rolle gleicht, ist sowohl gesanglich wie auch spielerisch eindringlich und höchst niveauvoll; zudem spielt sie gut Violine.
Das Stück hat alles: Niveau, Unterhaltungswert, Humor, gute Musik, hervorragende Schauspieler, eine gute Geschichte und eindringliche Texte. Nur das Publikum bleibt an diesem Abend im zweistelligen Bereich. Der Beifall ist umso kräftiger und anhaltender.