Das Konzert fand zur "Woche der Brüderlichkeit" als Beitrag des Fördervereins der Gesamtschule Porta statt. Mit der Wiederentdeckung jiddischer Lieder leistete Zupfgeigenhansel einen wichtigen Beitrag zum Bekanntwerden der Klezmer-Tradition und die Werbung für das Konzert ließ eine Anzahl solcher Titel erwarten. Leider beschränkte sich der Folk-Barde aber auf den Vortrag von nur zwei Songs, darunter das bekannte "Dona, Dona".
Ansonsten ging es quer durch das Repertoire des Duos, das sich 1986 trennte und der danach entstandenen Soloaufnahmen. Mit "Wie schön blüht uns der Maien" begann das Konzert traditionell. Andere Volkslieder erklangen mit alternativen Texten. So handelt "Im Krug zum grünen Kranze" nun nicht mehr vom Trinken, sondern von Freiheit und Recht. Auch "Kein schöner Land" wurde in der Nachdichtung von Dieter Süverkrüp zu "Ein schönes Land".
Zwischen den Titeln gibt es wie schon in den 70ern immer wieder politische Statements und natürlich gehören auch eigene Songs zu aktuellen Themen wie Stuttgart 21 dazu und aus "Alle meine Entchen" wird "Alle meine Aktien".
Vertonungen quer durch die deutsche Lyrik
Von Hans-Eckhardt Wenzel singt er "Lasst mich liegen" und mit ihm teilt er auch die Liebe zu dem jüdisch-österreichischen Dichter Theodor Kramer, von dem Schmeckenbecher "Kamille" und "Andere, die das Land so sehr nicht liebten" vertont hat.
Weitere Vertonungen gehen quer durch die deutsche Lyrik von Schiller bis Novalis, deren Schaffen er in seinem Sinne deutet und in der Romantik nicht Weltflucht, sondern Aufbruch sieht. Fast zu jedem Lied wechselt er auch zwischen mehreren Gitarren in verschiedenen Stimmungen, Dobro oder irischer Bouzouki. Kraftvoll, ungekünstelt und etwas rau ist der gut passende Gesang. Das übliche Zugabenspiel möchte Erich Schmeckenbecher sich nach 40 Jahren auf der Bühne ersparen und kündigt den kräftig applaudierenden Zuhörern nach dem letzten Titel gleich zwei weitere an ohne die Bühne erst zu verlassen.