Weserfluten stehen am Rande der Petershäger Altstadt
Große Wasserlandschaft in der gesamten Weseraue bis Schlüsselburg / Hochwasser in früheren Jahren in den Häusern
VON ULRICH WESTERMANN
Petershagen (Wes). Nach dem Tauwetter und den Niederschlägen hat sich die Weser zu einem breiten Strom entwickelt. Viele Wiesen und Felder nördlich des Petersbaches sind überflutet.
"Land unter" heißt es auch für die Zufahrtsstraße zum Schiffsanleger Heisterholz, den Radweg östlich der Tonindustrie und den Kalberkamp. Die Weserpromenade (Brink) in Höhe der Altstadt ist derzeit nicht passierbar.
Ebenfalls unter Wasser stehen der ehemalige Ladeplatz (Schlagde) nördlich der Alten Fährstelle, Hausgärten der Fischerstadt und der Sportplatz des Jugendgästehauses Besselscher Hof. Das frühere Personenboot der Fähre, das bei normalem Wasserstand ein beliebter Treffpunkt im Naherholungsgebiet an der Weser ist, liegt gut angekettet mitten in den Fluten.
Nachdem der Räumweg an der Nordseite des Hafens bereits seit nahezu zwei Wochen unter dem Wasser nicht mehr zu sehen ist, musste von der Stadt Petershagen nun auch die Fußgängerbrücke gesperrt werden. Diese Überführung an der Weserseite verbindet das Wegenetz der maritimen Freizeitanlage mit dem Rundweg. Das Hochwasser schwappt bis an den Holzsteg. Der eigentliche Abstand der Brückenunterkante bis zum mittleren Hochwasser beträgt 3,50 Meter.
Zwischen Wietersheim und Schlüsselburg hat sich die Weseraue im Stadtgebiet von Petershagen in eine große Wasserlandschaft verwandelt. Die Grundschüler aus Schlüsselburg werden weiterhin im Gemeindehaus unterrichtet (das MT berichtete), da der Weg zur Schule in Wasserstraße überflutet ist.
In Petershagen reichen die Weserfluten bis in die ersten Gärten der Altstadt. Früher mussten die Einwohner der Petershäger Altstadt mit schlimmen Überschwemmungen fertig werden. Besonders dramatisch wurde die Situation, wenn nach dem Zufrieren der Weser Tauwetter einsetzte. Bereits vorher war die Fähre zur Sicherheit in den Hafen gebracht worden.
"Ich kann mich noch gut an das Jahr 1942 erinnern. Bei Schneeschmelze und Regen stieg die Weser rasend schnell an", berichtete der 76-jährige Hubert Horstmann aus der Fischerstadt. In einigen Häusern habe das Wasser bis zu 50 Zentimeter hoch gestanden. Mit Brettern seien Stege gebaut worden, um einigermaßen trockenen Fußes die Häuser zu erreichen. "Auch Bootsfahrten auf den Straßen waren möglich", erinnert sich Hubert Horstmann.
Einige Male wurde in früheren Jahren das Teilstück der heutigen Mindener Straße im Bereich des Alten Amtsgerichts überflutet. Probleme gab es auch immer wieder für das Petershäger Volksschulgebäude im Überschwemmungsgebiet der Ösper. Dann lagen Schulgarten und Schulhof unter Wasser, sodass für das Gebäude eine Insellage entstand. In der benachbarten Graben- und Goebenstraße mussten die Anlieger wie in der Fischerstadt Holzstege errichten.
Eine große Eis- und Hochwasserkatastrophe ereignete sich im Jahr 1922. Die Eisschollen schoben sich in der Mitte der Weser zusammen und bildeten eine große Kraterlandschaft. An der Fährstelle waren Eisberge bis zu einer Höhe von zehn Metern entstanden. Die bizarre Winterlandschaft mit den Eishügeln in verschiedenen Formen und Größen, Höhlen, Rinnen und Schluchten lockte Schaulustige von weit her.
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