Der Fluss ist über seine Ufer getreten und hat Wiesen, Feldwege und Weidezäune überflutet. "Wir haben ein normales Hochwasser, das bei uns regelmäßig auftritt. Das Wasser im Keller konnte ich mit einem Lappen wegwischen. Die Pumpe musste nicht eingesetzt werden", war von der Bewohnerin des Fährhauses auf der Lahder Weserseite, Karla Gieseking, zu erfahren.
Ein Blick von der Weserbrücke, rechts die Petershäger, links die Lahder Flussseite. | Foto: Ulrich Westermann
Zu den ersten Gebäuden, die bei steigendem Pegelstand Kontakt zur Weser bekommen, gehört das Petershäger Schloss. Bei normalem Wasserstand ist es von Festland umgeben. Derzeit sind der frühere Ladeplatz und die Freifläche bis zur Schlossmauer an der Ostseite überflutet.
Der Ausblick von der Weserbrücke lässt die Vermutung zu, dass für das frühere Fährhaus auf der Lahder Flussseite und das Gebäude Dammeier nördlich davon in den vergangenen Tagen eine Insellage entstanden ist. Davon kann allerdings keine Rede sein. Die Weser klatscht zwar an die Schutzmauer des Fährhauses, hat einen Teil des Zufahrtsweges zur ehemaligen Fährstelle überflutet und blockiert eine Eingangstreppe an der Nordseite, allerdings ist der östliche Bereich trocken geblieben.
"Es bestand überhaupt keine Gefahr. Von der Straße An der Koppel war das Haus trockenen Fußes zu erreichen", blickte Karla Gieseking zurück. Im Laufe der Jahre hat sie viele kritische Hochwassersituationen erlebt. Noch gut kann sie sich an die bisher letzte Insellage des Fährhauses und der drei Nachbargebäude im Jahr 2002 erinnern. "Unsere Zufahrtsstraße war überflutet. Um die L 770 zu erreichen, durften die betroffenen Anlieger mit dem Auto den schräg nach oben führenden Weg auf die Brücke benutzen, der sonst nur Fahrradfahrern oder Fußgängern zur Verfügung steht. Zuvor waren von der Stadt einige Sperrpfähle entfernt worden", erzählte die Fährhausbewohnerin.
Wegen der starken Strömung auf der Straße An der Koppel hatte die Feuerwehr damals ein Seil gespannt, an dem sich die Anlieger festhalten konnten, wenn sie in hohen Watstiefeln ihre Häuser verließen. "Auch im Jahr 1986 hatten wir ein extrem starkes Hochwasser. Da sind wir vom Fährhaus mit dem Boot über die Straße oder die Wiesen in Richtung des Lahder Ortszentrums gefahren. Schließlich setzten Minustemperaturen ein. Die Folge war, dass eine große Eisfläche entstand", erinnerte sich Karla Gieseking.
Eisschollen im Winter 1870/71
Vollkommen vom Hochwasser verschont blieb das Gebäude Dammeier. Die Weser näherte sich an der Westseite bis auf knapp 20 Meter dem Wohnhaus, richtete aber keinen Schaden an. In der Petershäger Ortsgeschichte wird immer wieder von großen Überschwemmungen berichtet. Schäden an Gebäuden und Feldern kamen ebenso vor wie das Wegspülen und die Versandung der Ackerflächen.
Im Winter 1870/71 hatten viele Einwohner aus Petershagen und Umgebung mit starkem Hochwasser zu kämpfen. Bei Tauwetter trieb der Fluss riesige Eisschollen herbei.
Sie schoben sich am Jösser Weserbogen zusammen, bildeten einen hohen Damm und stauten das Wasser zu einem riesigen See. Besonders betroffen war die Ziegelei in Wietersheim. Die Menschen kletterten auf das Dach und riefen um Hilfe. Erst ein Postbote wurde auf die Notsituation aufmerksam und leitete die Rettungsaktion ein.
Eine weitere Hochwasserkatastrophe gab es im Jahr 1922. Das Weserwasser drang am frühen Morgen in die Altstadt und überraschte viele Bewohner noch im Schlaf. Ein Schwein sprang in Panik ins Wasser und suchte Zuflucht auf einer Eisscholle. Dem Besitzer gelang es schließlich, das Tier in Sicherheit zu bringen.
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